Mittelstandspresse
23.10.2026
IWiG - Standardisierung im Krankenhaus
Regeln, die Prozesse besser machen – nicht starrer
Telgte, 23.10.2026 (PresseBox) - Ein standardisierter Prozess soll vor allem eines leisten: Er soll verlässlich funktionieren – unabhängig davon, wer ihn gerade durchführt.
Im Klinikalltag ist das keineswegs selbstverständlich. Informationen werden auf unterschiedlichen Wegen weitergegeben, Materialien an verschiedenen Orten abgelegt, Aufgaben unterschiedlich ausgeführt.
Standardisierung beschreibt einen Prozess so, dass für alle Beteiligten klar ist, welche Schritte wann, wie und mit welchem Ziel erfolgen sollen. Das schafft Orientierung, erleichtert Einarbeitung und Vertretung und macht Abläufe besser vorhersehbar.
Dennoch bedeutet Standardisierung nicht, einen einmal festgelegten Ablauf für alle Zeiten festzuschreiben.
Das ist gerade im Krankenhaus entscheidend. Medizinische Verfahren verändern sich, digitale Anwendungen kommen hinzu, Zuständigkeiten verschieben sich und Versorgungsprozesse werden neu organisiert. Ein guter Standard muss deshalb überprüfbar und veränderbar bleiben.
Standardisierung ist kein einmaliger Vorgang, sondern Teil eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses. Vereinbarte Regeln werden eingehalten, gleichzeitig werden Abläufe regelmäßig auf ihre Sinnhaftigkeit geprüft und bei Bedarf angepasst. Verbesserungen können anschließend wiederum zum neuen Standard werden.
Standards werden wichtiger – gerade durch die Digitalisierung
Wie aktuell diese Frage ist, zeigt auch die Entwicklung der digitalen Klinikprozesse.
Die gematik bezeichnet ISiK (Informationstechnische Systeme in Krankenhäusern) als verbindlichen Standard für IT-Systeme in Krankenhäusern. Ziel ist unter anderem, Informationen strukturiert und ohne Umwege dort verfügbar zu machen, wo sie benötigt werden. Standardisierte Datenübertragung soll Medienbrüche reduzieren, Abläufe effizienter machen und Fehlerquellen verringern.
Im September 2026 wurde zudem ein Positionspapier zum Zusammenspiel von Patientenportalen, Primärsystemen und elektronischer Patientenakte veröffentlicht. Eine zentrale Erkenntnis daraus: Interoperabilität soll durch verbindliche Standards sichergestellt und digitale Behandlungsprozesse von der Einweisung bis zur Nachversorgung durchgängig gestaltet werden.
Damit verändert sich auch die Bedeutung von Standardisierung. Sie betrifft längst nicht mehr nur die Frage, wie Mitarbeitende einen einzelnen Arbeitsschritt ausführen, sondern zunehmend auch, wie Informationen zwischen Menschen, Abteilungen und IT-Systemen weitergegeben werden.
Gleichzeitig darf Standardisierung nicht zum Selbstzweck werden. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft fordert 2026, Qualitätssicherungsanforderungen daraufhin zu überprüfen, ob sie tatsächlich die Versorgung verbessern oder lediglich zusätzlichen Dokumentations- und Bürokratieaufwand erzeugen.
Ein guter Standard schafft Orientierung, reduziert unnötige Varianten und unterstützt Mitarbeitende bei ihrer täglichen Arbeit. Ein schlechter Standard produziert zusätzliche Arbeit, ohne den Prozess besser zu machen.
Deshalb sollte Standardisierung immer vom tatsächlichen Ablauf ausgehen: Was braucht der Prozess, damit das gewünschte Ergebnis zuverlässig, effizient und in der gebotenen Qualität erreicht wird?
Standardisierung ist dann kein starres Regelwerk, sondern die Grundlage, von der aus klinische Prozesse weiter verbessert werden können.
Ansprechpartner
Prof. Dr. Michael Greiling
+49 (2504) 9337-110
+49 (2504) 9337-120
Zuständigkeitsbereich: Mitglied des Vorstands
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