Mittelstandspresse
29.10.2026
Erfüllungsaufwand sank 2024/25 erstmals deutlich um 3,2 Milliarden Euro, Normenkontrollrat nennt 64 Milliarden Euro Bürokratiekosten der Wirtschaft
Der Bürokratiekostenindex des Statistischen Bundesamtes stand im März 2026 bei 96,37 Punkten. Die Bundesregierung will die Bürokratiekosten der Wirtschaft in dieser Wahlperiode um 25 Prozent senken; die übrigen Werte stammen vom Normenkontrollrat
Bietigheim-Bissingen, 29.10.2026 (PresseBox) - Der jährliche Erfüllungsaufwand aus Bundesrecht ist im Berichtszeitraum Juli 2024 bis Juni 2025 um rund 3,2 Milliarden Euro gesunken. Das hält der Nationale Normenkontrollrat (NKR) in seinem Jahresbericht 2025 vom 2. Oktober 2025 fest. Die Verwaltung wurde um 1,7 Milliarden Euro entlastet, die Wirtschaft um 990 Millionen Euro, Bürgerinnen und Bürger um 500 Millionen Euro. Zugleich beziffert der Rat die Bürokratiekosten der Wirtschaft aus Informationspflichten auf 64 Milliarden Euro pro Jahr; im Berichtszeitraum sanken sie laut Bericht um rund 510 Millionen Euro. Wie Reformvorschläge für einen leistungsfähigeren Staat in die Debatte passen, zeigt das Wirtschaftsportal der Provimedia GmbH aus Bietigheim-Bissingen in seiner Zusammenfassung von 30 Reformideen für einen handlungsfähigen Staat.
Erfüllungsaufwand ist nach § 2 Absatz 1 des Gesetzes zur Einsetzung eines Nationalen Normenkontrollrates der gesamte messbare Zeitaufwand samt Kosten, die durch die Befolgung einer bundesrechtlichen Vorschrift bei Bürgerinnen und Bürgern, Wirtschaft und Verwaltung entstehen. Bürokratiekosten sind nach § 2 Absatz 2 desselben Gesetzes der Teil davon, der natürlichen oder juristischen Personen durch Informationspflichten entsteht. Informationspflichten sind auf Gesetz, Rechtsverordnung, Satzung oder Verwaltungsvorschrift beruhende Pflichten, Daten und sonstige Informationen für Behörden oder Dritte zu beschaffen, verfügbar zu halten oder zu übermitteln.
Vier Kennzahlen aus dem Jahresbericht 2025 beschreiben den Belastungsberg
Der Normenkontrollrat nennt für den Berichtszeitraum Juli 2024 bis Juni 2025 vier Größen, an denen sich der Bürokratierückbau messen lässt.
Der jährliche Aufwand über alle drei Normadressaten sank um rund 3,2 Milliarden Euro; den größten Beitrag lieferte der Bau-Turbo mit einem Entlastungsvolumen von 2,5 Milliarden Euro.
Der jährliche Aufwand liegt laut Bericht damit noch rund 13,2 Milliarden Euro über dem Wert von 2011; im Jahresbericht 2024 waren es noch 27 Milliarden Euro.
Die Bürokratiekosten der Wirtschaft aus Informationspflichten betragen 64 Milliarden Euro pro Jahr.
Der Rat prüfte im Berichtszeitraum 325 Gesetzes- und Verordnungsentwürfe und gab 34 schriftliche Stellungnahmen ab; 93 weitere Prüfvorhaben fielen mit dem vorzeitigen Ende der Wahlperiode der Diskontinuität anheim.
Dass sich der bilanzierte Zusatzaufwand seit 2011 binnen eines Jahres halbiert hat, führt der Rat nur zum Teil auf Entlastungen zurück. Einige im Jahresbericht 2024 bilanzierte Vorhaben fielen der Diskontinuität anheim; 8,5 Milliarden Euro gehen laut Bericht auf eine Datenaktualisierung zurück.
Wie der Bürokratiekostenindex des Statistischen Bundesamtes seit 2012 verläuft
Die Reihe des Statistischen Bundesamtes mit Stand 19. Mai 2026 reicht bis März 2026. Der Index misst nach Angaben des Amtes die Kosten, die Unternehmen durch bundesrechtliche Informationspflichten entstehen, also durch den klassischen Papierkram: Anträge, Meldungen, Kennzeichnungen, Statistikmeldungen und Nachweise. Im März 2026 stand er bei 96,37 Punkten (Januar 2012 = 100), im Dezember 2024 bei 94,18. Zwischen August und September 2025 sprang er von 94,05 auf 96,45 Punkte, eine Erläuterung dazu enthält die Tabelle nicht.
Nach Angaben des Amtes sinkt der Index, wenn die Bundesregierung Regelungen auf den Weg bringt, die Unternehmen von Bürokratiekosten entlasten; neue bürokratische Belastungen lassen ihn steigen. Werte können sich auch rückwirkend ändern. Wer den Anteil des Staates an Kosten und Einnahmen der Unternehmen einordnen will, findet beim Wirtschaftsportal die Grundlagen zu Einnahmen, Ausgaben und Fiskalpolitik des Staates.
Welche Abbauziele die Bundesregierung bis zum Ende der Wahlperiode verfolgt
Die Bundesregierung hat sich laut NKR-Jahresbericht vorgenommen, die Bürokratiekosten der Wirtschaft innerhalb von vier Jahren um 25 Prozent oder 16 Milliarden Euro zu senken und den Erfüllungsaufwand um 10 Milliarden Euro zu reduzieren. Zusätzlich sollen alle hinzukommenden Belastungen kompensiert werden. Die „One in, one out“-Regel hat die Bundesregierung nach eigener Angabe inzwischen erweitert: Sie berücksichtigt auch Aufwand aus EU-Vorgaben, für Bürger und Verwaltung sowie einmaligen Umstellungsaufwand; eine „One in, two out“-Regel soll folgen. Mehr als die Hälfte der bürokratischen Belastungen stammt laut Rat aus europäischem Recht.
Als Wege nennt der Bericht einfachere Nachweise, Pauschalierungen, Bagatellgrenzen und risikoorientierte Stichprobenkontrollen, vor allem bei Dokumentations- und Kontrollpflichten.
Wann Normenkontrollrat und Statistisches Bundesamt neue Zahlen vorlegen
„Ein Index, der seit 2012 zwischen rund 94 und gut 100 Punkten pendelt, sagt Betrieben mehr als jede Ankündigung: Der Papierkram ist in vierzehn Jahren nicht verschwunden, er hat sich verlagert. Entlastung wird für einen Handwerksbetrieb erst dann spürbar, wenn eine Meldung wegfällt, die er jeden Monat macht“, sagt Alexander Weipprecht, Geschäftsführer der Provimedia GmbH.
Der Normenkontrollrat legt seinen Jahresbericht regelmäßig im Herbst vor. Ein Termin für den Bericht 2026 mit dem Zeitraum Juli 2025 bis Juni 2026 war Mitte September 2026 nicht veröffentlicht. Nach eigener Angabe aktualisiert das Statistische Bundesamt den Index zu Beginn jedes Quartals; Werte ab April 2026 fehlten Mitte September 2026 noch. An beiden Reihen lässt sich ablesen, wie sich die rechnerisch ermittelten Bürokratiekosten auf dem Weg zum angekündigten Abbau um 16 Milliarden Euro entwickeln.
Die Begriffsbestimmungen folgen dem am 23. September 2026 abgerufenen Wortlaut des § 2 Absatz 1 und 2 des Gesetzes zur Einsetzung eines Nationalen Normenkontrollrates. Die Zahlen stammen aus dem NKR-Jahresbericht 2025 und der Tabelle des Statistischen Bundesamtes mit Stand 19. Mai 2026. Die Angaben sind keine Rechtsberatung; welche Informationspflichten einen einzelnen Betrieb treffen, klärt sich im Einzelfall in einer rechtlichen oder steuerlichen Beratung.
Ansprechpartner
Alexander Weipprecht
+49 (7142) 3442727
Zuständigkeitsbereich: CEO
Über Provimedia GmbH:
Die Provimedia GmbH ist ein Online-Verlag mit Sitz in der Region Stuttgart. Wir schaffen wertvolle Informationen in unterschiedlichen Branchen um Wissen schnell und einfach zugänglich zu machen. Wir haben uns auf übersichtliche Webseiten und Auffindbarkeit von Informationen spezialisiert.
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Aktenordner, Formularstapel und ein Laptop mit Tabellenkalkulation auf dem Schreibtisch eines kleinen Betriebs. Ein Schreibtisch in einem kleinen Betrieb mit mehreren beschrifteten Aktenordnern, einem Stapel ausgefüllter Formulare mit Stempelfeldern und einem aufgeklappten Laptop, auf dem unscharf eine Tabellenkalkulation zu sehen ist, daneben ein Locher und ein Taschenrechner. Symbolbild zum Erfüllungsaufwand der Wirtschaft aus Bundesrecht. Bild KI-generiert
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