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Mittelstandspresse

25.08.2026

Orgelbau ohne Nachwuchs: 2025 bestand in Deutschland kein einziger Kandidat die Meisterprüfung, der Betriebsbestand sank auf 372

Die Handwerksstatistik weist seit 1998 einen Rückgang der Lehrlingszahlen um 63 Prozent aus. Getragen wird die kirchliche Musikpraxis unterdessen von 13.577 Chören und Instrumentalensembles mit 248.809 Mitwirkenden.

Orgelbauer arbeitet an einer geöffneten Pfeifenorgel auf der Empore
Orgelbauer arbeitet an einer geöffneten Pfeifenorgel auf der Empore

Bietigheim-Bissingen, 25.08.2026 (PresseBox) - Im Jahr 2025 hat in Deutschland kein einziger Kandidat die Meisterprüfung im Orgel- und Harmoniumbau bestanden. Das weist die Handwerksstatistik des Zentralverbands des Deutschen Handwerks aus, die Betriebsbestand, Ausbildungs- und Prüfungszahlen der zulassungspflichtigen Gewerke jährlich zum 31. Dezember fortschreibt. Im selben Jahr sank die Zahl der Betriebe auf 372. Es ist das dritte Jahr ohne bestandene Meisterprüfung innerhalb von acht Jahren. Der Orgelbau ist damit eines der Gewerke, in denen die Meisterqualifikation über Jahre hinweg gar nicht mehr nachwächst.

Wofür diese Werkstätten gebraucht werden, zeigt der Blick auf die Gemeinden: Welche Aufgaben das Instrument im Gottesdienst übernimmt, beschreibt eine Übersicht zu den Aufgaben der Orgel in der gottesdienstlichen Praxis im Fachportal der Provimedia GmbH.

Warum der Betriebsbestand seit 2014 um 56 Werkstätten geschrumpft ist

Der Höchststand liegt elf Jahre zurück. Nach Angaben des Zentralverbands des Deutschen Handwerks zählte das Gewerk Ende 2014 noch 428 Betriebe. Seither ist der Bestand in jedem erfassten Jahr gefallen: 401 Ende 2022, 396 Ende 2023, 381 Ende 2024 und 372 Ende 2025. Das sind 56 Werkstätten weniger als zum Gipfel, ein Minus von 13,1 Prozent.

Zum Vergleich der längeren Reihe: 1998 waren es 345 Betriebe. Der Bestand ist also zunächst gewachsen und fällt erst seit gut einem Jahrzehnt — anders als die Ausbildungszahlen, die schon deutlich länger zurückgehen.

Die Ausbildungszahlen fallen schneller als die Zahl der Betriebe

Laut derselben Statistik standen Ende 2025 noch 94 Lehrlinge in Ausbildung. 1998 waren es 254. Das ist ein Rückgang um 63,0 Prozent, während der Betriebsbestand im selben Zeitraum um knapp acht Prozent gewachsen ist. Die Kurven laufen also auseinander: Es gibt mehr Werkstätten als vor 27 Jahren, aber weniger als vier von zehn der damaligen Lehrstellen.

Der Zwischenverlauf zeigt, dass der Rückgang anhält: 125 Lehrlinge Ende 2019, 117 Ende 2021, 104 Ende 2023, 96 Ende 2024, 94 Ende 2025.

Bei den Meisterprüfungen ist die Reihe noch dünner. Von 2018 bis 2025 haben insgesamt 18 Kandidaten bestanden, verteilt auf acht Jahrgänge — mit drei Jahren ohne eine einzige bestandene Prüfung. 1998 waren es in einem einzigen Jahr 21.

Wer die kirchliche Musikpraxis heute trägt

Die Nachfrageseite ist damit nicht kleiner geworden. Nach der Erhebung „Musikengagement 2025“ der Deutschen Bischofskonferenz, veröffentlicht im August 2026 mit Datenstand Juli 2026, zählt allein die katholische Kirche drei Gruppen von Ensembles:

367 Chorgruppen mit 224.544 Mitgliedern

734 Instrumentalgruppen mit 17.220 Mitwirkenden

476 weitere Gruppen mit 7.045 Mitwirkenden

Zusammen sind das 13.577 Ensembles mit 248.809 Menschen. Hinzu kommen 1.371 hauptberufliche und 13.973 nebenberufliche Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker. Unter den Chorgruppen sind 2.823 Kinder- und Jugendchöre mit 52.666 Mitgliedern.

Was das für Gemeinden mit einem sanierungsbedürftigen Instrument bedeutet

Wer eine Orgel instand setzen lassen will, trifft auf einen kleineren Markt an Fachbetrieben und auf längere Vorlaufzeiten. Für Gemeinden stellt sich damit die Frage, welche Anforderungen ein Instrument im jeweiligen Raum überhaupt erfüllen muss — und worin sich die Bauarten technisch unterscheiden. Eine Gegenüberstellung dazu, worin sich Pfeifenklang und digitale Klangerzeugung unterscheiden, ordnet Klangerzeugung, Registervielfalt und Wartungsaufwand ein.

„Eine Null in einer Prüfungsstatistik sagt wenig über einen einzelnen Jahrgang und viel über eine Ausbildungskette. Wer heute keine Lehrlinge hat, hat in zehn Jahren keine Meister — und Instrumente, die drei Jahrhunderte halten sollen, brauchen Menschen, die sie in dreißig Jahren noch öffnen können“, sagt Alexander Weipprecht, Geschäftsführer der Provimedia GmbH.

Die Zahlen beschreiben den Stand zum 31. Dezember 2025 und den Erhebungsstand Juli 2026. Sie sagen nichts darüber aus, wie viele Organistenstellen unbesetzt sind oder wie viele Gemeinden ihr Instrument ersetzt haben — dazu liegen aus den genannten Quellen keine Zahlen vor.

Ansprechpartner

Alexander Weipprecht
+49 (7142) 3442727
Zuständigkeitsbereich: CEO

Über Provimedia GmbH:

Die Provimedia GmbH ist ein Online-Verlag mit Sitz in der Region Stuttgart. Wir schaffen wertvolle Informationen in unterschiedlichen Branchen um Wissen schnell und einfach zugänglich zu machen. Wir haben uns auf übersichtliche Webseiten und Auffindbarkeit von Informationen spezialisiert.

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Orgelbauer arbeitet an einer geöffneten Pfeifenorgel auf der Empore