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11.06.2026

Gebäudemodernisierungsgesetz: VDI fordert klare Leitplanken für die Wärmewende

 

Düsseldorf/Berlin, 11.06.2026 (PresseBox) - Mit der heutigen ersten Lesung des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GModG) beginnt die parlamentarische Beratung eines zentralen Vorhabens für die Wärmewende im Gebäudesektor. Der VDI begrüßt den technologieoffenen Ansatz und die geplanten Vereinfachungen für Eigentümerinnen und Eigentümer. Gleichzeitig sieht Deutschlands größter technisch-wissenschaftlicher Verein im weiteren Gesetzgebungsverfahren Nachbesserungsbedarf bei Investitionssicherheit, Infrastrukturplanung und Gebäudeautomation.

Mit dem Gesetz sollen unter anderem der Heizungstausch vereinfacht und neue Spielräume bei der Wahl von Heizsystemen geschaffen werden. Zugleich ergeben sich aus Sicht des VDI neue Anforderungen an die Abstimmung von Wärmeplanung, Netzinfrastruktur und Gebäudetechnik.

„Mit der ersten Lesung beginnt jetzt die entscheidende Phase des Gesetzgebungsverfahrens. Der Bundestag hat die Chance, Planungssicherheit für Millionen Gebäudeeigentümer und für die investierende Wirtschaft zu schaffen. Technologieoffenheit ist richtig – sie darf aber nicht zu Orientierungslosigkeit führen. Wer heute in eine Heizungsanlage investiert, braucht Klarheit darüber, welche Energieinfrastruktur morgen tatsächlich verfügbar ist“, so VDI-Direktor Adrian Willig.

Die Bundesregierung verbindet mit dem Gesetz das Ziel, mehr Akzeptanz für die Wärmewende zu schaffen und den Heizungstausch zu vereinfachen. Aus Sicht des VDI braucht es dafür jedoch mehr als zusätzliche Wahlmöglichkeiten. „Akzeptanz entsteht nicht allein durch größere Wahlfreiheit. Akzeptanz entsteht vor allem durch nachvollziehbare Rahmenbedingungen, verlässliche Förderprogramme und eine langfristig planbare Infrastruktur“, betont Willig.

Gasnetzproblematik und langfristige Investitionssicherheit

Mit dem neuen Gesetz soll der Einbau neuer Gasheizungen, die mit klimafreundlichen Brennstoffanteilen betrieben werden, weiterhin möglich sein. Der VDI weist auf die Gefahr langfristig daraus resultierender Lock-in-Effekte hin: Haushalte, die heute in Gasheizungen investieren, erwarten eine wirtschaftliche Nutzung über Jahrzehnte. Zeitgleich sehen zahlreiche kommunale Wärmepläne langfristig einen deutlichen Rückgang der Erdgasnutzung sowie teilweise den Rückbau oder die Umwidmung von Gasnetzen vor. Ohne eine abgestimmte Infrastrukturstrategie könnten steigende Netzentgelte und zusätzliche Belastungen insbesondere für jene Haushalte entstehen, die langfristig am Gasnetz verbleiben. Der VDI fordert deshalb eine integrierte Infrastrukturstrategie, die Elektrifizierung, Fernwärmeausbau und Gasnetzentwicklung koordiniert.

„Die Debatte darf sich nicht allein auf den Einbau neuer Heizungen konzentrieren. Entscheidend ist, welche Infrastruktur den Menschen künftig tatsächlich zur Verfügung steht. Wenn Gasnetze schrittweise zurückgebaut werden, müssen Eigentümer frühzeitig wissen, welche Konsequenzen das für ihre Investitionen hat“, ordnet der VDI-Direktor ein.

Wärmepumpenförderung stabil halten

Der VDI begrüßt das Signal der Bundesregierung, die Förderung von Wärmepumpen fortzuführen. Dies ist ein wichtiges Signal für Planungssicherheit bei Herstellern, Handwerk sowie Verbraucherinnen und Verbrauchern. Der Einsatz von Wärmepumpen ist derzeit vielfach noch mit höheren Anfangsinvestitionen verbunden. Diese ergeben sich unter anderem aus den hohen Effizienz- und Qualitätsanforderungen, der Einbindung in bestehende Gebäudestrukturen sowie dem erforderlichen Planungs- und Installationsaufwand. Mit stabilen politischen Rahmenbedingungen und steigenden Stückzahlen sind jedoch mittelfristig deutliche Kostensenkungen realistisch. Um die Wirtschaftlichkeit von Wärmepumpen langfristig zu verbessern, sind darüber hinaus die Senkung der Stromsteuer auf das europarechtliche Minimum, die Ausweitung der Umlagenbefreiung auf Wärmepumpen ohne eigenen Zähler sowie die Reduktion des „Aufschlags für besondere Netznutzung“ notwendig.

Gebäudeautomation: Kein Rückschritt beim Betrieb

Für die tatsächliche Energieeffizienz von Gebäuden spielt die Gebäudeautomation eine zentrale Rolle. Gerade in größeren Nichtwohngebäuden entstehen viele Effizienzverluste nicht durch die Heiztechnik selbst, sondern durch mangelnde Betriebsoptimierung, fehlendes Monitoring und unzureichende Steuerung komplexer gebäudetechnischer Systeme. Der bisherige § 71a GEG adressierte genau diese Punkte – etwa durch Vorgaben zu digitaler Energieüberwachung, Gebäudeautomation und technischem Monitoring. Der VDI begrüßt grundsätzlich, dass diese Anforderungen im Gebäudemodernisierungsgesetz nicht vollständig entfallen, warnt jedoch vor einer materiellen Abschwächung.

„Die günstigste Kilowattstunde bleibt diejenige, die gar nicht erst verbraucht wird. Gebäudeautomation und intelligentes Energiemanagement sind deshalb keine Zusatzanforderungen, sondern zentrale Instrumente für niedrigere Energiekosten und mehr Versorgungssicherheit“, sagt Adrian Willig.

Der VDI appelliert an die Abgeordneten des Deutschen Bundestags, die nun beginnende parlamentarische Beratung für eine stärkere Verzahnung von Wärmeplanung, Energieinfrastruktur und Gebäudetechnik zu nutzen. Nur wenn Investitionsentscheidungen, Netzausbau und technische Anforderungen zusammen gedacht werden, kann die Modernisierung des Gebäudebestands langfristig erfolgreich gestaltet werden.

Ansprechpartner

Dr. Laura Wollny
+49 (211) 6214-492
Zuständigkeitsbereich: VDI-Gesellschaft Energie und Umwelt

B.A. Sarah Janczura
+49 211 6214-641
Zuständigkeitsbereich: Pressesprecherin

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