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15.06.2012 - Ideenmanagement - Medien / Marketing
Ideen aus der Box
Innovativ sein mit Ideenmanagementsystemen
Zweimal machen wir einen Haken dran. Aber bei der letzten Antwort rufen wir: Nein!
Genau das eben nicht!
Das klassische, zentral gesteuerte Ideenmanagement mit seinen zähen Strukturen, ätzenden Formularen und intransparenten Entscheidungsprozessen ist der Schlachthof der Kreativität! Die tollsten Ideen werden dort mit hängenden Ohren zur Schlachtbank geführt, erstickt, ersäuft und zerstückelt.
Unser Rat: Verwenden Sie solche Innovationsmanagementprozesse guten Gewissens, um bestehendes schrittweise zu optimieren. Bestens! Aber schützen Sie jede keimende Idee, die wirklich Neues mit sich bringen könnte, um Himmels Willen davor, in eine solche Mühle zu geraten.
Was Sie stattdessen tun sollten, das können Sie sich zum Beispiel beim schwedischen Konzernmulti Ericsson abschauen. Das Traditionshaus mit Geschäftsfeldern auf der ganzen Welt steht voll im globalen Wind des Wettbewerbs - und braucht darum ständig und dringend frische Ideen für neue Geschäftsmodelle und innovative Dienstleistungen. Zuerst versuchten sie es mit dem klassischen Vorschlagswesen. Bei 104.000 Mitarbeitern in 180 Ländern waren die Annahmestellen für Ideen aber heillos überlastet, die Ideensammlung wurde in jedem Land anders gehandhabt, die Entscheidungsprozesse waren unklar, das ganze System völlig intransparent - die Mitarbeiter schon bald total demotiviert da mitzumachen.
Die Frage war: Wie muss ein System aussehen, das Mitarbeitern Spaß macht, das die Ideen aller Mitarbeiter auch jenseits der Entwicklungsabteilungen erfassen kann und sowohl lokal als auch global funktioniert?
So entstanden vor rund vier Jahren die IdeaBoxes - virtuelle Sammelstellen zu jeweils nur einem einzigen Thema. Jeder Mitarbeiter, der in seinem Arbeitsfeld einen aktuellen Innovationsbedarf erkennt und auch über die Ressourcen zur Umsetzung verfügt, kann so eine Box eröffnen und wird damit zum Innovationsmanager für genau dieses Problem. Im Moment gibt es zwischen 300 und 400 Boxen, die alle weltweit für jeden Mitarbeiter am PC zugänglich sind.
Soweit so gut. Doch im Gegensatz zum klassischen Ideenmanagementsystem sind die IdeaBoxes lebendig und interaktiv. Jeder Mitarbeiter kann nämlich die Ideen aller anderer lesen, kommentieren, ergänzen, bewerten oder mit dem Ideengeber in Kontakt treten.
Vor allem aber - und das ist das Interessanteste: Ideen können sich gegenseitig befruchten.
Eine Ericsson-Mitarbeiterin aus den USA hatte zum Beispiel eine Idee, wie man für die Produkte, an denen sie gerade arbeitete, die Upgrades verbessern könnte. Sie speiste ihre Idee bei IdeaBoxes ein, und bekam recht schnell ein paar Kommentare von Kollegen.
Dann passierte nichts mehr. Nach einer Weile bekam sie jedoch eine Nachricht, dass ihre Idee mit einem ähnlichen Ansatz verlinkt wurde. Aha, die Kollegen sind doch noch aktiv geworden, dachte sie. Aber die neue Idee kam nicht aus der Nachbarschaft, sondern von einem Ericsson-Mitarbeiter aus Indien. Von jemandem, den sie noch nie gesehen hatte, der in einer ganz anderen Abteilung und mit völlig unterschiedlichen Produkten arbeitete.
Als sie seine Idee las, wurde ihr klar: Wenn sie beide Ideen kombinieren würden, hätten sie eine einzigartige und universell einsetzbare Lösung für Upgrades. Eine geniale Innovation war geboren.
Freiheit plus Vernetzung gleich Kreativität! Wenn das Management einen Rahmen mit klaren Regeln vorgibt, aber innerhalb dieser Strukturen die Finger heraushält, kann Neues entstehen. Um Ideen zu generieren und umzusetzen, braucht es weder Anreize, noch Belohnungen und Beförderungen. Sondern lediglich: die richtigen Rahmenbedingungen.
Quelle: FÖRSTER & KREUZ GmbH















