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13.06.2012 - Buchprojekte - Medien / Marketing

Jim Collins - Das Glück und die Stoppuhr

Wie macht er das nur? Egal, was Jim Collins anpackt, es wird ein Erfolg

(Initiative Mittelstand) Built to Last, Good to Great, How the Mighty Fall – alle seine Bücher wurden Bestseller. Und das gönnen wir ihm von Herzen. Und genauso wissen wir, dass das eben gerade keine Zufallstreffer waren.

Denn Collins hat genau das Besondere, das entscheidende Etwas, das den
Unterschied ausmacht zwischen einem, der einfach nur sein Ding macht und einem,
der nicht nur sein Ding macht, sondern darüber hinaus auch eine große und
langandauernde Resonanz im Markt findet. Und dieses entscheidende Etwas ist: D-IS-Z-I-P-L-I-N.

Mit jedem seiner Buchprojekte beschäftigt er sich über Jahre. Er recherchiert
intensiv in allen verfügbaren Medien, interviewt Topmanager, analysiert, und denkt
nach – viele hundert Stunden. Als er für ‚How the Mighty Fall – And why some
Companies Never Give in‘ recherchierte, schauten die Lehman Brothers, Fannie Maes
und General Motors dieser Welt noch optimistisch in die Zukunft. Der Dow Jones
Index hatte die 10.000-er-Marke erreicht und kletterte munter weiter. Hätte Collins
sein Buch schon 2005 veröffentlicht, hätte es vermutlich niemand gekauft. Aber er
hatte eine Ahnung, was passieren würde. Heute bilden seine „stages of decline“ eine
glasklare Diagnose wie Unternehmen abwirtschaften.

Bei praktisch jedem seiner Projekte trat der Effekt ein, dass das Thema, das ihn über
Jahre beschäftigte, ausgerechnet zum Erscheinen des Buches aktuell wurde. Die
Folge: Seine Bücher verkaufen sich wie geschnitten Brot und stürmen die
Bestsellerlisten - Built to Last stand allein sechs Jahre (!) auf der Business-Week-
Bestsellerliste.

Wer sich fragt, wie er das bloß macht, stößt beim Nachforschen unweigerlich auf ein
Zitat seines früheren Mentors, dem aus Österreich stammenden
Managementvordenker Peter Drucker, der vor sieben Jahren verstorben ist. Drucker
fragte Collins, ob es richtig sei, dass er in erster Linie Ideen entwickeln wolle.

Collins nickte. Dann sagte Drucker, mit seinem berüchtigten Akzent: „Zen you must
not build an organization! Because zen you will end up managing zat organization!“
Collins hatte gut zugehört. Darum baute er eben kein großes Beratungsunternehmen
auf, sondern beschäftigt bis heute lediglich fünf Mitarbeiter, die ihm direkt
zuarbeiten. Neben seiner To-Do-Liste hat er auch eine To-Don’t-Liste. Und beide
setzt er mit der Sturheit eines Esels durch. Das bedeutet: Exakt 12 bezahlte
Keynotes im Jahr und exakt 6 Gratis-Vorträge. Mehr nicht! Wer ihn buchen will muss
nach Boulder fahren, damit Collins seinen Auftraggeber persönlich kennen lernen
kann. Es ist mehr ein Bewerbungsgespräch als ein Engagieren. Und wer dann den
Zuschlag von Collins bekommt, zahlt ein Honorar von mindestens 65.000 Dollar.

Das ist wirklich abgefahren – und großartig, denn Collins trifft ganz bewusst seine
Wahl.

Wer bis in sein Arbeitszimmer vorgedrungen ist, sieht ihn am Kopf eines langen
Tisches sitzen, der mit Ordnern und Materialien voll bedeckt ist. Was er dort macht,
verrät ein Blick auf das Flipchart neben ihm. Darauf steht etwa: Creative 53 % –
Teaching 28 % – Other 19 %.

Ganz klar, Collins ist ein minutiöser Selbstkontrolleur. Vor Jahren hat Collins
beschlossen, seine Zeit genau so einzuteilen: die Hälfte für kreative Arbeit, ein
Drittel für lehrende Tätigkeiten und der Rest für alles andere. Beschlossen ist
beschlossen, also misst er seine Arbeitszeit mit einer Stoppuhr und ordnet sie den
drei Bereichen zu. Einmal am Tag trägt er seine Werte in eine Excel-Tabelle ein und
weiß am Abend so ganz genau, wie treu er seinen Zielen ist. Und weil er nach
längeren Analysen herausgefunden hat, dass er innerhalb von 10 Tagen auf ein
Schlafpensum von 70 bis 75 Stunden kommen mußt, um kreativ zu bleiben, wird auch diese Zeit geplant, eingeloggt und kontrolliert. Das ist eiserne Selbstdisziplin –
und das geht nur mit eiserner Selbstkontrolle.

Auch wenn die Stoppuhr-Methode nicht unser Fall ist: Wir finden Jim Collins‘
Konsequenz großartig. Er macht klar, dass berufliche Erfüllung das Gegenteil von
Zufall ist. Es ist die Kombination aus bewusster Wahl und Disziplin. Glückliche
Umstände? Die liefern nur temporär ein wenig Rückenwind, bis sich der Wind wieder
gedreht hat. Für die richtige Richtung müssen wir selbst sorgen.
Zuerst: Wir müssen uns entscheiden, was wir überhaupt tun wollen und was nicht –
und daraus die Konsequenzen ziehen. Dann die nächste Entscheidung: Mit welchen
Tätigkeiten wollen wir unseren Tag verbringen? Und die Einhaltung dieser
Entscheidung sollten wir dann selbst ehrlich überprüfen. – Das klingt einfach. Ist es
auch. Aber keiner hat behauptet, dass es leicht ist ...

Quelle: Backstage Report

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