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27.10.2026

Märkte reagieren auf steigende Renditen und KI-Euphorie

Von Vincent Mortier, Group CIO Amundi, und Monica Defend, Head of Amundi Investment Institute

Märkte reagieren auf steigende Renditen und KI-Euphorie
Märkte reagieren auf steigende Renditen und KI-Euphorie

München, 27.10.2026 (PresseBox) - Die Volatilität am Anleihemarkt ist zum Hauptmerkmal der jüngsten Marktbewegungen geworden. Die Renditen sind gestiegen, da die Märkte zunehmend sensibel auf Makrodaten und politische Erwartungen reagieren. Dies hat auch einen Effekt auf die Attraktivität von Anleihen. Sie bieten aktuell Renditen, wie man sie seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen hat.

Der MOVE-Index[1], der die erwartete Volatilität von US-Staatsanleihen misst, hat sich deutlich erhöht und dabei in einer ungewöhnlichen Entwicklung vom Aktienvolatilitätsindex dem abgekürzt als VIX[2] bezeichneten abgekoppelt. Dies unterscheidet sich erheblich von dem Volatilitätsanstieg im März, der zu Beginn des Iran-Kriegs beide Märkte betraf. Während sich Aktien aktuell widerstandsfähig gezeigt haben und weiterhin von der Entwicklung der KI-Investitionen dominiert werden, sind die Anleiherenditen sprunghaft nach oben gegangen. Da sich die Kapitalströme über Länder und Segmente hinweg neu verteilen, gehen wir davon aus, dass die Volatilität hoch bleibt und die Streuung im Unternehmensanleihemarkt zunimmt.

Was sind die Gründe für diese Volatilität?

Verschiedene Kräfte treiben die Märkte an, und ihr Zusammenspiel macht das Umfeld besonders komplex.

Spannungen im Nahen Osten und die Aussichten für den Ölpreis: Die im Laufe des Sommers eskalierenden Spannungen im Nahen Osten und die Ungewissheit darüber, wann der Krieg enden könnte, haben die Energiemärkte weiterhin sehr volatil gehalten.

Wachstum, Inflation und die Federal Reserve: Die langfristigen US-Renditen sind gestiegen – bedingt durch verstärkt positive Signale zur US-Konjunktur, steigende Inflationsrisiken infolge des Krieges und einen verschärften Wettbewerb um Kapital durch umfangreiche Unternehmensemissionen zur Finanzierung des KI-Ausbaus. Hintergrund hierfür sind positive Unternehmensergebnisse und eine unterstützende Marktstimmung. Dies alles hat dazu beigetragen, dass Risikoanlagen widerstandsfähig blieben, aber auch, dass Investoren eine höhere Vergütung für Anleihen verlangen.

Frankreich und die Volatilität europäischer Anleihen: Die zunehmende politische Unsicherheit rund um den französischen Haushalt – vor dem Hintergrund steigender Verschuldung, globaler Ausstrahlungseffekte durch höhere Anleiherenditen und der im nächsten Jahr anstehenden Wahlen – hat für einen deutlichen Anstieg der Volatilität bei europäischen Anleihen gesorgt.

Infolgedessen beobachten wir eine Rotation an den Anleihemärkten, da Investoren versuchen, das Gesamtrisiko ihrer Portfolios zu reduzieren. Dies zeigt sich im globalen Unternehmensanleihemarkt, wo die Spreads sich in letzter Zeit deutlich ausgeweitet haben. Die rekordhohen Investitionen in KI und die Emission von Anleihen waren hierfür ein wichtiger Treiber. Bei den europäischen Staatsanleihen beobachten wir eine weitere Ausweitung der Spreads bei französischen Anleihen, mit Ausstrahlungseffekten auf italienische und andere Anleihen aus Peripherieländern sowie eine „Flucht in sichere Häfen“ hin zu deutschen Bundesanleihen. Dabei handelt es sich unserer Ansicht nach um geordnete Umschichtungen, die Teil der Neuanpassung an ein Umfeld mit höheren Zinsen und höheren Inflationsrisiken sind.

Was sind die wichtigsten Schlussfolgerungen für Anleger?

Die ungewöhnliche Volatilität spiegelt einen Paradigmenwechsel wider - hin zu einer Welt, die von geopolitischen Umbrüchen, Inflationsdruck, erhöhter Nachfrage nach Investitionen in KI, sowie der Klimawende und einer steigenden Verschuldung geprägt ist. Gleichzeitig machen die jüngsten Anstiege langfristiger Anleihe-Renditen auch für Anleger attraktiv. In diesem Umfeld ist ein aktiver und global diversifizierter Ansatz entscheidend. Im Bereich der Unternehmensanleihen rechnen wir mit zunehmender Streuung, da der Markt die Auswirkungen höherer Zinsen auf verschiedene Sektoren und Unternehmen neu bewertet. Hier bevorzugen wir weiterhin hochwertige Anleihen, die weniger anfällig für die Herausforderungen steigender Zinsen sind.

Quelleninformationen und weitere Angaben finden Sie in den Investment Talks sowie im Amundi Research Center.

Quelle: Amundi. Sofern nicht anders angegeben, Stand: 07.10.2026. Die in diesem Dokument vertretenen Einschätzungen der Entwicklung von Wirtschaft und Märkten sind die gegenwärtige Meinung von Amundi Asset Management. Diese Einschätzungen können sich jederzeit aufgrund von Marktentwicklungen oder anderer Faktoren ändern. Es ist nicht gewährleistet, dass sich Länder, Märkte oder Sektoren so entwickeln wie erwartet. Diese Einschätzungen sind nicht als Anlageberatung, Empfehlungen für bestimmte Wertpapiere oder Indikation zum Handel im Auftrag bestimmter Produkte von Amundi Asset Management zu sehen. Es besteht keine Garantie, dass die erörterten Prognosen tatsächlich eintreten oder dass sich diese Entwicklungen fortsetzen. Herausgeber: Amundi Deutschland GmbH, Arnulfstraße 124–126, D-80636 München. Die Informationen wurden mit der im Geschäftsverkehr erforderlichen Sorgfalt zusammengestellt und entstammen Quellen, die Amundi Asset Management zum Zeitpunkt der Veröffentlichung für zuverlässig hält. Amundi Asset Management übernimmt keinerlei Haftung für jedwede Fehler oder Versäumnisse und schließt ausdrücklich jegliche Haftung für jedwede Fahrlässigkeit und Vorsatz aus. Dies gilt neben dem Empfänger dieser Informationen auch gegenüber weiteren Personen, die diese Informationen möglicherweise verwenden. Der Ausschluss der Haftung bezieht sich auf sämtliche Verluste sowie unmittelbare Schäden und Folgeschäden.

[1] Der MOVE-Index steht für ICE BofA U.S. Bond Market Option Volatility Estimate Index (historisch entwickelt als Merrill Lynch Option Volatility Estimate). Er ist das wichtigste Volatilitätsbarometer für den US-Anleihemarkt

[2] VIX ist die Abkürzung für den Chicago Board Options Exchange Volatility Index. Er drückt die erwartete Schwankungsbreite bzw. Volatilität des S&P 500 Index aus. Zudem ist der VIX der bekannteste Volatilitätsindex am Markt.

Ansprechpartner

Anette Baum

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