Mittelstandspresse
03.09.2026
Das Altersvorsorgedepot allein schließt keine Rentenlücke
Der richtige Einstiegszeitpunkt, eine individuelle Finanzanalyse und ausgezeichnete Beratung sind für den Vorsorgeerfolg entscheidend
Herrsching, 03.09.2026 (PresseBox) - Mit dem Altersvorsorgedepot startet 2027 eine neue Phase der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge. Geringere Kosten, höhere Renditechancen, eine einfachere Förderung und mehr Flexibilität sollen private Vorsorge wieder attraktiver machen. Doch selbst ein gut konstruiertes Vorsorgeprodukt beantwortet noch nicht die entscheidenden Fragen: Wie groß ist die persönliche Rentenlücke? Welche Sparleistung ist notwendig? Welches Risiko ist tragbar? Und wie muss das angesparte Vermögen im Ruhestand eingesetzt werden? Eine aktuelle Modellrechnung des Flossbach von Storch Research Institute, über die das Fachmagazin DAS INVESTMENT berichtet, macht deutlich: Der wichtigste Erfolgsfaktor ist nicht allein die Auswahl des Produkts. Entscheidend ist vor allem, wann mit der Vorsorge begonnen wird und ob die gewählte Strategie zur persönlichen Lebenssituation passt.
250.000 Euro Kapitalbedarf für einen Durchschnittsverdiener
Nach der vorgestellten Analyse benötigt ein Durchschnittsverdiener zum Renteneintritt rund 250.000 Euro zusätzliches Kapital, um die angenommene Rentenlücke zu schließen. Untersucht wird, welchen Beitrag das neue Altersvorsorgedepot bei einem Beginn im Alter von 20, 40 oder 60 Jahren leisten kann. Grundlage sind 1.001 simulierte Kapitalmarktverläufe. Angenommen werden eine erwartete Aktienrendite von acht Prozent, drei Prozent Rendite bei Anleihen, jährliche Kosten von einem Prozent sowie eine Inflation von zwei Prozent. Jährlich fließen 2.340 Euro in das Depot: 1.800 Euro Eigenbeitrag und 540 Euro staatliche Grundzulage. Die Ergebnisse sind keine Prognose oder Renditezusage. Sie zeigen aber eindrucksvoll, welchen Einfluss Anlagedauer, Förderung, Aktienquote und Zinseszinseffekt auf das mögliche Vorsorgevermögen haben können.
Wer früh beginnt, gewinnt vor allem Zeit
Beginnt ein 20-jähriger Berufseinsteiger mit dem Aufbau seiner privaten Altersvorsorge, stehen bis zum angenommenen Renteneintritt 50 Jahre zur Verfügung. Bei einer Aktienquote von 70 Prozent und Einzahlungen von insgesamt 117.000 Euro ergibt sich in der Modellrechnung ein mittleres Endkapital von rund 550.000 Euro. Nach Berücksichtigung der angenommenen Inflation entspricht dies etwa 200.000 Euro in heutiger Kaufkraft. Besonders aufschlussreich ist ein weiterer Vergleich: Wer 25 Jahre lang einzahlt und anschließend keine weiteren Beiträge leistet, kann aufgrund der langen verbleibenden Anlagedauer im mittleren Szenario auf mehr als 400.000 Euro kommen. Wer dagegen erst mit 45 Jahren beginnt und ebenfalls 25 Jahre lang denselben Betrag einzahlt, erreicht nur etwas mehr als 120.000 Euro.
Damit wird der entscheidende Hebel sichtbar: Frühe Vorsorge bedeutet nicht nur, länger einzuzahlen. Das bereits angesparte Kapital erhält mehr Zeit, Erträge zu erwirtschaften. Der Zinseszinseffekt kann sich über mehrere Jahrzehnte entfalten. Gerade für junge Erwachsene liegt darin eine wichtige Botschaft. Sie müssen nicht von Beginn an hohe Beträge zurücklegen. Wichtiger ist, überhaupt anzufangen, die eigene Vorsorgesituation zu verstehen und die Sparleistung später regelmäßig an das Einkommen und die Lebenssituation anzupassen.
Auch mit 40 Jahren ist noch viel möglich
Für einen 40-jährigen Arbeitnehmer mit 30 Jahren Ansparzeit ergibt die Modellrechnung bei einer Einzahlung von insgesamt 70.200 Euro und einer durchgängigen Aktienquote von 70 Prozent ein mittleres Kapital von rund 167.000 Euro. Dabei zeigt die Analyse zugleich, dass nicht nur die Rendite, sondern auch die Risikosteuerung berücksichtigt werden muss. Wird die Aktienquote vor dem Rentenbeginn deutlich reduziert, sinkt das Risiko eines größeren Verlusts in den letzten Jahren der Ansparphase. Gleichzeitig können dadurch Renditechancen verloren gehen. An dieser Stelle endet die Aussagekraft eines pauschalen Standardprodukts. Ob eine hohe Aktienquote, ein Garantieprodukt oder eine schrittweise Umschichtung sinnvoll ist, hängt unter anderem von der finanziellen Belastbarkeit, den vorhandenen Rücklagen, weiteren Vorsorgebausteinen, der geplanten Auszahlungsform und der persönlichen Risikobereitschaft ab.
Später Vorsorgebeginn erfordert realistische Erwartungen
Wer erst mit 60 Jahren beginnt, kann den Zinseszinseffekt nur noch begrenzt nutzen. Bei zehn Jahren Ansparzeit und Einzahlungen von insgesamt 23.400 Euro liegt das mittlere Endkapital der Simulation bei etwa 31.000 Euro. Das Altersvorsorgedepot kann in diesem Fall zwar weiterhin attraktiv sein, weil die staatliche Förderung einen erheblichen Anteil am aufgebauten Kapital ausmacht. Eine über Jahrzehnte entstandene Rentenlücke lässt sich damit jedoch nicht kurzfristig aufholen. Für die Beratung folgt daraus eine ebenso wichtige wie unbequeme Aufgabe: Gute Altersvorsorgeberatung muss nicht nur Chancen erläutern, sondern auch realistische Erwartungen vermitteln. Sie muss zeigen, welcher zusätzliche Kapitalbedarf besteht und welche Kombination aus Sparleistung, Anlagedauer, Renditechance und gegebenenfalls einem späteren Renteneintritt erforderlich wäre.
Das neue Produkt macht Beratung nicht überflüssig
Die Reform der geförderten privaten Altersvorsorge ist inzwischen beschlossen. Neue Verträge können ab dem 1. Januar 2027 angeboten werden. Das Altersvorsorgedepot ermöglicht eine renditeorientierte Anlage ohne verpflichtende Beitragsgarantie. Für das Standarddepot gilt eine Begrenzung der Effektivkosten auf jährlich ein Prozent. Bei einem Eigenbeitrag von bis zu 1.800 Euro kann die Grundzulage maximal 540 Euro betragen. Für junge Menschen ist zusätzlich ein einmaliger Berufseinsteigerbonus vorgesehen. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen erläutern die Deutsche Rentenversicherung und das Bundesministerium der Finanzen. Digitale Abschlussmöglichkeiten, transparente Kosten und eine nachvollziehbare Förderung sind wichtige Fortschritte. Sie beantworten aber nicht die persönliche Vorsorgefrage. Ein einfach abschließbares Produkt ist noch keine individuelle Altersvorsorgestrategie.
Aus Sicht der Gesellschaft für Qualitätsprüfung sollte ausgezeichnete Beratung deshalb nicht mit der Vorstellung eines Depots beginnen, sondern mit einer privaten Finanzanalyse. Dazu gehören eine Bestandsaufnahme der gesetzlichen, betrieblichen und privaten Ansprüche, die Berechnung der voraussichtlichen Versorgungslücke, die Berücksichtigung von Inflation und Steuern sowie die gemeinsame Festlegung eines realistischen Vorsorgeziels. Erst anschließend sollte geprüft werden, welche Produkte, Anlagestrategien und Fördermöglichkeiten geeignet sind. Ebenso wichtig ist eine verständliche Erklärung der Chancen und Risiken sowie eine regelmäßige Überprüfung der Strategie.
Altersvorsorge wird zum Qualitätsmaßstab für Banken
Die Einführung des Altersvorsorgedepots wird den Wettbewerb zwischen Banken, Versicherern, Fondsgesellschaften und digitalen Anbietern intensivieren. Kosten, digitale Bedienbarkeit und eine breite Produktauswahl werden dabei zunehmend zu grundlegenden Erwartungen der Kundinnen und Kunden. Die eigentliche Differenzierung entsteht jedoch an anderer Stelle: bei der Fähigkeit, aus gesetzlichen Ansprüchen, bestehenden Verträgen, persönlichen Zielen und finanziellen Möglichkeiten ein verständliches Gesamtkonzept zu entwickeln.
Genau deshalb bildet die Altersvorsorge einen Schwerpunkt im Bankentest „BESTE BANK vor Ort 2027“. Untersucht wird nicht nur, ob Institute das neue Produktangebot digital und verständlich darstellen. Entscheidend ist, ob sie die persönliche Situation ihrer Kundinnen und Kunden erfassen, eine mögliche Rentenlücke nachvollziehbar berechnen, unterschiedliche Szenarien erklären und daraus konkrete Empfehlungen ableiten. Zur Beratungsqualität gehört außerdem die Nachbetreuung. Eine Altersvorsorgestrategie, die mit 25 Jahren entwickelt wurde, muss bei Veränderungen des Einkommens, der Familienplanung, einer Immobilienfinanzierung oder einem Wechsel der beruflichen Situation angepasst werden. Altersvorsorge ist kein einmaliger Produktabschluss, sondern ein langfristiger Prozess.
Finanzbildung muss zu einer Entscheidung führen
Die Ergebnisse sind zugleich für die Ansprache junger Kundinnen und Kunden relevant. Im Rahmen des Young Finance Award und des Tests „NextGen Bank 2027“ stellt sich deshalb die Frage, welche Banken jungen Menschen den Einstieg in die Altersvorsorge tatsächlich erleichtern. Dazu reichen allgemeine Hinweise auf ETFs, Förderquoten oder den Zinseszinseffekt nicht aus. Gute Finanzbildung muss abstrakte Zusammenhänge in konkrete, altersgerechte Szenarien übersetzen: Was bedeutet ein Beginn mit 20 statt mit 30 Jahren? Welche Wirkung haben kleine monatliche Beträge über mehrere Jahrzehnte? Wie verändern Kosten, Inflation und unterschiedliche Aktienquoten das Ergebnis?
Auch der Financial Education Measurement Index (kurz: FEMI) setzt an dieser Schnittstelle an. Finanzbildung entfaltet ihren Wert erst dann vollständig, wenn sie nicht nur Wissen vermittelt, sondern Orientierung schafft und Menschen zu einer fundierten Entscheidung befähigt.
Das Altersvorsorgedepot ist eine große Chance
Die Modellrechnungen zeigen das Potenzial des neuen Altersvorsorgedepots. Sie zeigen jedoch ebenso deutlich seine Grenzen. Wer früh beginnt, kann mit überschaubaren Eigenbeiträgen, staatlicher Förderung und einer renditeorientierten Anlage einen erheblichen Teil seiner Versorgungslücke schließen. Wer später startet, benötigt eine entsprechend höhere Sparleistung und realistische Erwartungen. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur: Welches Altersvorsorgedepot bietet die besten Konditionen? Sie lautet vielmehr: Welche Bank analysiert die persönliche Rentenlücke am besten, erklärt die Handlungsoptionen verständlich und begleitet ihre Kundinnen und Kunden dauerhaft?
Das Altersvorsorgedepot kann private Vorsorge einfacher und attraktiver machen. Ob daraus finanzielle Sicherheit im Alter entsteht, entscheidet sich aber weiterhin in der Qualität der Beratung.
Quelle der Modellrechnungen: DAS INVESTMENT, „Wie viel Rentenlücke schließt das Altersvorsorgedepot?“, veröffentlicht am 1. September 2026.
Ansprechpartner
Kai Fürderer
+49 (8152) 3961697
Zuständigkeitsbereich: Mitglied der Geschäftsleitung
Über Gesellschaft für Qualitätsprüfung mbH:
Die Gesellschaft für Qualitätsprüfung mbH zählt zu den führenden unabhängigen Testinstituten für Beratungsqualität und Kundenorientierung in der deutschen Finanzbranche. Im Mittelpunkt der Arbeit stehen wissenschaftlich fundierte Analysen, Praxistests und Studien zu den Themen Beratung, Service, Digitalisierung, Baufinanzierung, Vermögensberatung, Finanzbildung und Kundenerlebnis.
Mit ihren bundesweiten Testreihen wie „BESTE BANK vor Ort“, „SEHR GUT in der Baufinanzierung“, den Private-Banking-Tests sowie den NextGen-Analysen untersucht die Gesellschaft für Qualitätsprüfung jährlich mehrere tausend Kundenkontakte und digitale Berührungspunkte. Die gewonnenen Erkenntnisse dienen sowohl Verbrauchern als Orientierungshilfe als auch Finanzinstituten als Grundlage zur Weiterentwicklung ihrer Beratungs- und Servicequalität.
Darüber hinaus veröffentlicht die Gesellschaft für Qualitätsprüfung regelmäßig Fachbeiträge, Studien und Marktanalysen zu aktuellen Entwicklungen im Banking und engagiert sich insbesondere für die Stärkung der Finanzbildung sowie die Förderung einer kundenorientierten Beratungskultur.
Getreu dem Unternehmensmotto „Weil wir Qualität prüfen.“ verfolgt sie das Ziel, Qualität sichtbar, vergleichbar und nachhaltig wirksam zu machen.
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Kann das Altersvorsorgedepot die Rentenlücke schließen? (Das Bild wurde mit KI generiert)
- Mehr Infos zu dieser Meldung unter www.pressebox.de
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