Startseite Themen Brennpunkt INNOVATIONSPREIS-IT IT-Bestenliste INDUSTRIEPREIS INDUSTRIE-Bestenliste TrafficGenerator
INNOVATIONSPREIS-IT 2017

Drucken
Mittelstandspresse

01.09.2026

Wenn finanzielle Sicherheit zum Engpass wird

Steigende Zukunftssorgen von Familien zeigen, dass Finanzbildung, Liquidität, Absicherung und langfristige Vorsorge stärker zusammengedacht werden müssen

Wenn finanzielle Sicherheit zum Engpass wird
Wenn finanzielle Sicherheit zum Engpass wird

Herrsching, 01.09.2026 (PresseBox) - Oder einfach die Frage: Was Banken aus den Zukunftssorgen deutscher Familien lernen können?

Finanzberatung beschäftigt sich traditionell mit Sparen, Geldanlage, Vorsorge, Finanzierung oder Absicherung. Doch bevor Verbraucher über Renditen, ETF-Sparpläne, Altersvorsorgedepots oder Immobilienfinanzierungen entscheiden können, stellt sich eine wesentlich grundlegendere Frage: Wie stabil ist eigentlich das finanzielle Fundament eines Haushalts? Eine neue repräsentative forsa-Befragung im Auftrag von Save the Children Deutschland gibt darauf zumindest für viele Familien eine ernüchternde Antwort. Mehr als ein Viertel der befragten Eltern mit minderjährigen Kindern blickt mit großen oder sehr großen Sorgen auf die kommenden zwölf Monate und befürchtet, Grundbedürfnisse wie Wohnen, Heizen, Kleidung oder Ernährung möglicherweise nicht mehr ausreichend finanzieren zu können. Der Anteil ist von 15 Prozent im Winter 2024/25 über 25 Prozent im Sommer 2025 auf aktuell 27 Prozent gestiegen.

Besonders ausgeprägt ist die finanzielle Unsicherheit bei Haushalten mit geringeren Einkommen. Unter Eltern mit einem Haushaltsnettoeinkommen von weniger als 3.000 Euro berichten 61 Prozent von großen oder sehr großen finanziellen Zukunftssorgen. Bei Eltern, die nicht mit einem Partner oder einer Partnerin zusammenleben, sind es 47 Prozent. Diese Ergebnisse sind zunächst ein sozialpolitisches Signal. Sie sind aber ebenso ein Hinweis darauf, wie sich die Anforderungen an Finanzbildung und Finanzberatung verändern.

Wenn der finanzielle Spielraum kleiner wird, verändern sich die Prioritäten

Besonders aufschlussreich ist ein weiteres Ergebnis der Untersuchung. 21 Prozent der Eltern geben an, sich Dinge, die über das Notwendigste hinausgehen und normalerweise zum Familienleben gehören - etwa Urlaub, Ausflüge, Restaurantbesuche, Möbel oder Hobbys der Kinder -, eher nicht oder überhaupt nicht leisten zu können. Im Vorjahr waren es noch 18 Prozent. In der niedrigsten untersuchten Einkommensgruppe steigt dieser Anteil auf 56 Prozent. Für die Finanzbranche ergibt sich daraus eine wichtige Erkenntnis: Finanzplanung kann nicht immer mit der Frage beginnen, welches Produkt abgeschlossen oder welcher Betrag langfristig investiert werden sollte. Bei knappen finanziellen Spielräumen kann die wichtigste finanzielle Entscheidung zunächst darin bestehen, Transparenz über Einnahmen und Ausgaben zu schaffen, eine Liquiditätsreserve aufzubauen, unnötige Belastungen zu identifizieren oder existenzielle Risiken abzusichern.

Erst danach stellt sich die Frage nach Vermögensaufbau oder Altersvorsorge. Das klingt selbstverständlich. In der Praxis wird Finanzberatung allerdings noch häufig über Produkte oder konkrete Anlässe gedacht. Ein Kunde interessiert sich für ein Depot, einen Sparplan, eine Versicherung oder eine Finanzierung und die Beratung beginnt bei genau diesem Thema. Eine ganzheitliche Finanzplanung müsste einen Schritt früher ansetzen.

Gute Beratung beginnt mit der finanziellen Ausgangslage

Aus unserer Sicht gewinnt deshalb die strukturierte Analyse der finanziellen Situation weiter an Bedeutung. Wie hoch sind die monatlich verfügbaren Mittel? Welche regelmäßigen Verpflichtungen bestehen? Welche Liquiditätsreserven sind vorhanden? Welche Risiken könnten das Haushaltseinkommen erheblich belasten? Gibt es bestehende Kredite? Wie stabil wäre die finanzielle Situation bei unerwarteten Ausgaben? Und welcher Betrag kann tatsächlich dauerhaft für Vermögensaufbau und Altersvorsorge zur Verfügung stehen?

Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, lässt sich beurteilen, welche nächsten Schritte sinnvoll sind. Damit verändert sich auch der Maßstab für Beratungsqualität. Gute Beratung zeichnet sich nicht dadurch aus, möglichst viele Themen in einem Gespräch anzusprechen. Sie muss erkennen, welches finanzielle Thema für einen Kunden in seiner aktuellen Lebenssituation Priorität hat. Die zentrale These lautet deshalb: Finanzielle Sicherheit entsteht nicht durch ein einzelnes Produkt. Sie entsteht durch die richtige Reihenfolge finanzieller Entscheidungen. Genau darin liegt künftig eine der wichtigsten Aufgaben qualifizierter Finanzberatung.

Finanzbildung muss mehr erklären als ETF, Aktien und Zinsen

Die Ergebnisse sind zugleich relevant für die Diskussion über Finanzbildung. Finanzbildung wird häufig auf Kenntnisse über Geldanlage reduziert: Was ist ein ETF? Wie funktionieren Aktien? Was bedeutet Diversifikation? Wie unterscheiden sich Tagesgeld, Festgeld oder ein Wertpapierdepot? All diese Fragen sind wichtig. Finanzkompetenz beginnt aber früher. Sie beinhaltet beispielsweise die Fähigkeit, ein persönliches Budget zu verstehen, Rücklagen aufzubauen, Konsum und langfristige Ziele gegeneinander abzuwägen, Kreditkosten einzuschätzen, Risiken zu priorisieren und zwischen kurzfristiger Liquidität und langfristigem Vermögensaufbau zu unterscheiden.

Die aktuelle Untersuchung zeigt, warum diese breitere Perspektive wichtig ist. Finanzielle Selbstwirksamkeit bedeutet nicht nur, eine möglichst hohe Rendite erzielen zu können. Sie bedeutet zunächst, die eigene finanzielle Situation einschätzen und Entscheidungen bewusst priorisieren zu können. Für Banken ergibt sich daraus eine erhebliche Chance. Sie verfügen über Fachwissen, Daten, digitale Kanäle und häufig über langjährige Kundenbeziehungen. Finanzbildung kann damit zum Einstieg in eine Beratung werden, die nicht beim Produkt, sondern beim Menschen beginnt.

NextGen Finanzbildung: Frühzeitige Orientierung wird immer wichtiger

Das gilt besonders mit Blick auf junge Menschen. Die „NextGen Studie 2026“ der Gesellschaft für Qualitätsprüfung zeigt, dass junge Erwachsene keineswegs ausschließlich auf digitale Selbstbedienung setzen. Rund 78 Prozent der Befragten zwischen 18 und 30 Jahren bewerten persönliche Beratung mindestens als wichtig. Gleichzeitig sehen lediglich etwa 53 Prozent diesen Anspruch bei ihrer Bank ausreichend erfüllt. Eine Kombination aus persönlicher Beratung und digitalen Investment-Funktionen erreicht eine Akzeptanz von bis zu 67 Prozent der Zielgruppe.  Die Herausforderung besteht deshalb nicht darin, jungen Menschen möglichst früh möglichst viele Finanzprodukte anzubieten.

Sie besteht darin, ihnen frühzeitig zu vermitteln, wie finanzielle Sicherheit aufgebaut wird. Dazu gehören Liquiditätsreserven ebenso wie Absicherung, ein verantwortungsvoller Umgang mit Krediten, Vermögensaufbau und langfristige Altersvorsorge. Nicht jedes Thema besitzt in jeder Lebensphase dieselbe Priorität. Genau diese Fähigkeit zur verständlichen und zielgruppengerechten Vermittlung stand auch im Mittelpunkt unseres Bankentests „NextGen Finanzbildung 2026“. Dabei wurde nicht allein geprüft, ob Banken Informationen zur Verfügung stellen, sondern unter anderem, wie sichtbar, verständlich, zielgruppengerecht und innovativ diese Angebote gestaltet sind. Denn Information allein schafft noch keine Finanzkompetenz. Entscheidend ist, ob daraus Orientierung entsteht.

Altersvorsorge beginnt mit finanzieller Belastbarkeit

Besonders deutlich wird dieser Zusammenhang bei der Altersvorsorge. Die öffentliche Diskussion konzentriert sich verständlicherweise auf Rentenlücken, private Vorsorge, Kapitalmarktanlagen und neue Vorsorgemodelle. Für Verbraucher stellt sich jedoch zunächst eine andere Frage: Welchen Betrag kann ich heute überhaupt dauerhaft zurücklegen? Ein theoretisch optimaler Sparplan hilft wenig, wenn er nach wenigen Monaten aufgrund unerwarteter Ausgaben wieder ausgesetzt werden muss. Gute Altersvorsorgeberatung sollte deshalb nicht beim Produkt beginnen, sondern bei der gesamten finanziellen Situation des Kunden. Liquidität, bestehende Verpflichtungen, Absicherung, Anlagehorizont und Risikobereitschaft müssen gemeinsam betrachtet werden.

Genau aus diesem Grund wird das Thema Altersvorsorge im Bankentest „BESTE BANK vor Ort 2027“ der Gesellschaft für Qualitätsprüfung deutlich stärker in den Mittelpunkt rücken. Entscheidend ist dabei nicht, ob eine Bank ein bestimmtes Vorsorgeprodukt anbietet. Bewertet werden vielmehr die Qualität der Analyse, die Verständlichkeit der Beratung und die Fähigkeit, aus der individuellen Situation eines Kunden eine nachvollziehbare langfristige Strategie abzuleiten. Der entscheidende Zusammenhang lautet: Wer langfristige Vorsorge plant, muss kurzfristige finanzielle Stabilität mitdenken.

Auch bei der Baufinanzierung entscheidet die Belastbarkeit des Konzepts

Dasselbe Prinzip gilt für eine weitere der größten finanziellen Entscheidungen eines Haushalts: die Immobilienfinanzierung. Eine Baufinanzierung darf nicht allein danach beurteilt werden, welcher Zinssatz angeboten wird oder welcher maximale Darlehensbetrag rechnerisch möglich wäre.

Entscheidend ist vielmehr, wie tragfähig die Finanzierung für die Familie langfristig bleibt. Eine realistische Haushaltsrechnung, ausreichend Rücklagen, ein sinnvoller Eigenkapitaleinsatz, Tilgung, Zinsbindung, mögliche Sondertilgungen und die erwartete Restschuld gehören deshalb ebenso in die Betrachtung wie finanzielle Reserven für unerwartete Belastungen.

Gerade wenn viele Familien bereits bei alltäglichen Ausgaben zunehmenden finanziellen Druck wahrnehmen, gewinnt diese Form der Beratungsqualität weiter an Bedeutung. Eine gute Immobilienfinanzierung nutzt nicht den maximal möglichen finanziellen Spielraum eines Haushalts aus. Sie lässt bewusst Spielraum für das Leben daneben.

Auch deshalb untersucht die Gesellschaft für Qualitätsprüfung im Bankentest „SEHR GUT in der Baufinanzierung 2027“ nicht lediglich Konditionen. Im Mittelpunkt stehen ebenso Kundenorientierung, Haushaltsrechnung, Finanzierungskonzept, Beratungsqualität, Service und Nachbetreuung. Der überarbeitete Digital-Check erweitert diese Perspektive zusätzlich um die Qualität des digitalen Ersteindrucks. Damit verbindet Altersvorsorge und Baufinanzierung dieselbe grundlegende Frage: Ist die finanzielle Entscheidung langfristig tragfähig?

Die Bank der Zukunft wird zum finanziellen Orientierungspartner

Für Banken lässt sich aus diesen Entwicklungen eine strategische Perspektive ableiten. Je größer das Informationsangebot wird, desto weniger besteht ihre zentrale Aufgabe darin, Informationen exklusiv bereitzustellen. Verbraucher können sich heute innerhalb weniger Sekunden über ETFs, Kredite, Versicherungen, Altersvorsorge oder Baufinanzierungen informieren. Suchmaschinen, Vergleichsportale, soziale Medien und zunehmend KI-Anwendungen stellen enorme Mengen an Wissen zur Verfügung. Die eigentliche Knappheit ist deshalb nicht mehr Information, sondern exzellente Beratung und persönliche Orientierung.

Die neue Knappheit ist Orientierung

Banken können hier eine Position besetzen, die weit über die Rolle des Produktanbieters hinausgeht: als finanzieller Orientierungspartner über verschiedene Lebensphasen hinweg. Das beginnt bei jungen Menschen mit Finanzbildung und den ersten eigenständigen Finanzentscheidungen. Es setzt sich über den Aufbau von Rücklagen und Vermögen fort, reicht zur Absicherung der Familie, zur Immobilienfinanzierung und schließlich zur langfristigen Altersvorsorge. Eine solche Beziehung orientiert sich nicht an einzelnen Produkten, sondern an der finanziellen Entwicklung eines Menschen.

Beratungsqualität bedeutet auch, manchmal nicht über ein Produkt zu sprechen

Vielleicht liegt darin sogar eine der wichtigsten Veränderungen moderner Beratung. Der größte Mehrwert eines Beratungsgesprächs muss nicht immer darin bestehen, unmittelbar eine neue Lösung abzuschließen. Wenn eine junge Familie aktuell kaum finanzielle Reserven besitzt, kann die fachlich richtige Empfehlung zunächst lauten, Liquidität aufzubauen. Wenn ein junger Berufseinsteiger keinen ausreichenden Schutz gegen existenzielle Risiken besitzt, kann dieses Thema vor einem zusätzlichen Investment stehen. Und wenn eine Immobilienfinanzierung den finanziellen Spielraum einer Familie nahezu vollständig ausschöpfen würde, kann eine verantwortungsvolle Beratung auch bedeuten, das Finanzierungskonzept zu verändern. Genau solche Situationen machen Beratungsqualität sichtbar. Denn Kundenorientierung bedeutet nicht, für jedes Problem möglichst schnell ein Produkt zu finden. Sie bedeutet, gemeinsam herauszufinden, welches Problem zuerst gelöst werden sollte.

Finanzielle Resilienz könnte zum neuen Leitbild der Beratung werden

Die aktuelle forsa-Befragung im Auftrag von Save the Children beschreibt in erster Linie gesellschaftliche und sozialpolitische Herausforderungen. Es wäre falsch, daraus abzuleiten, Finanzbildung oder Bankberatung könnten strukturelle finanzielle Probleme von Familien lösen. Aber die Ergebnisse zeigen sehr deutlich, wie wichtig finanzielle Stabilität und verfügbare Spielräume für Familien sind.

Für die Finanzbranche ergibt sich daraus ein klarer Auftrag innerhalb ihres eigenen Verantwortungsbereichs. Finanzbildung muss Menschen befähigen, ihre Situation besser zu verstehen. Digitale Angebote müssen Transparenz schaffen. Persönliche Beratung muss Prioritäten erkennen. Altersvorsorge muss langfristig tragfähig sein. Und eine Immobilienfinanzierung muss auch dann noch funktionieren, wenn das Leben nicht exakt nach Plan verläuft. Vielleicht brauchen wir deshalb einen umfassenderen Maßstab für moderne Beratungsqualität: Nicht das einzelne Finanzprodukt sollte im Mittelpunkt stehen, sondern die finanzielle Resilienz des Kunden.

Wer diesen Gedanken konsequent verfolgt, verbindet Finanzbildung, Beratung, Absicherung, Vermögensaufbau, Altersvorsorge und Finanzierung zu dem, was Verbraucher letztlich tatsächlich benötigen: einem nachvollziehbaren Konzept für finanzielle Sicherheit.

Ansprechpartner

Kai Fürderer
+49 (8152) 3961697
Zuständigkeitsbereich: Mitglied der Geschäftsleitung

Über Gesellschaft für Qualitätsprüfung mbH:

Die Gesellschaft für Qualitätsprüfung mbH zählt zu den führenden unabhängigen Testinstituten für Beratungsqualität und Kundenorientierung in der deutschen Finanzbranche. Im Mittelpunkt der Arbeit stehen wissenschaftlich fundierte Analysen, Praxistests und Studien zu den Themen Beratung, Service, Digitalisierung, Baufinanzierung, Vermögensberatung, Finanzbildung und Kundenerlebnis.

Mit ihren bundesweiten Testreihen wie „BESTE BANK vor Ort“, „SEHR GUT in der Baufinanzierung“, den Private-Banking-Tests sowie den NextGen-Analysen untersucht die Gesellschaft für Qualitätsprüfung jährlich mehrere tausend Kundenkontakte und digitale Berührungspunkte. Die gewonnenen Erkenntnisse dienen sowohl Verbrauchern als Orientierungshilfe als auch Finanzinstituten als Grundlage zur Weiterentwicklung ihrer Beratungs- und Servicequalität.

Darüber hinaus veröffentlicht die Gesellschaft für Qualitätsprüfung regelmäßig Fachbeiträge, Studien und Marktanalysen zu aktuellen Entwicklungen im Banking und engagiert sich insbesondere für die Stärkung der Finanzbildung sowie die Förderung einer kundenorientierten Beratungskultur.

Getreu dem Unternehmensmotto „Weil wir Qualität prüfen.“ verfolgt sie das Ziel, Qualität sichtbar, vergleichbar und nachhaltig wirksam zu machen.

Datei-Anlagen:


(695 kB)
1625616.attachment

Wenn finanzielle Sicherheit zum Engpass wird