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Mittelstandspresse

25.08.2026

Auftragsmangel und hohe Kosten belasten die Unternehmen

 

Saarbrücken, 25.08.2026 (PresseBox) - Die Stimmung in der Saarwirtschaft hat sich im August wieder eingetrübt. Das signalisieren die Meldungen der Unternehmen zu ihrer aktuellen Lage und zu den Erwartungen für die kommenden sechs Monate. Nachdem sich die Geschäftslage sieben Monate in Folge verbessert hatte, gab der IHK-Lageindikator erstmals wieder nach und sank um 2,8 Punkte auf 4,0 Zähler. Ursächlich dafür sind schlechtere Lageeinschätzungen in den Gießereien und in Teilen der Stahlindustrie. Gleichzeitig verschlechterten sich die ohnehin verhaltenen Aussichten: Der IHK-Erwartungsindikator verlor 1,1 Punkte und liegt nun bei minus 12,2 Zählern. Verantwortlich für die Eintrübung sind die nochmals schwächeren Perspektiven in der Automobilzulieferindustrie. Leicht stabilisierend wirkt dagegen der Dienstleistungssektor – hier blieb die Geschäftslage weitgehend unverändert, die Erwartungen haben sich sogar leicht verbessert. „Auftragsmangel, rückläufige Umsätze und hohe Kosten gehen zunehmend an die Substanz der Saarindustrie. Zusätzlichen Gegenwind bringen der Energiepreisschock infolge des Krieges im Nahen Osten und das Niedrigwasser, das insbesondere die Stahlindustrie und die Bauwirtschaft belastet und über höhere Frachtkosten auch weitere Branchen trifft. Unter diesen Bedingungen ist eine durchgreifende Erholung nicht in Sicht. Das für 2026 prognostizierte Mini-Wachstum steht inzwischen auf der Kippe. Wir müssen uns darauf einstellen, dass es bestenfalls bei einer Stagnation bleibt. Die Saarwirtschaft kämpft damit inzwischen eher darum, ein viertes Rezessionsjahr in Folge zu vermeiden, als um einen echten Aufschwung.“ So kommentierte IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Frank Thomé die Ergebnisse der August-Umfrage der IHK Saarland, an der sich rund 300 Unternehmen mit gut 90.000 Beschäftigten beteiligten.

Insgesamt bewerten 24 Prozent der befragten Unternehmen ihre Geschäftslage mit gut oder sehr gut, 56 Prozent mit befriedigend und 20 Prozent mit schlecht. Besonders angespannt bleibt die Situation im Verarbeitenden Gewerbe. Wie ausgeprägt die industrielle Schwäche im Saarland inzwischen ist, zeigt die Umsatzentwicklung: Von Januar bis Juni lagen die kumulierten Umsätze im Verarbeitenden Gewerbe um 6,2 Prozent unter dem bereits schwachen Vorjahreswert. Bundesweit wurde im gleichen Zeitraum dagegen ein Plus von 3,2 Prozent verzeichnet. Innerhalb der Saarindustrie bleibt das Bild differenziert. Gut laufen die Geschäfte in der Keramikindustrie. Überwiegend befriedigend ist die Geschäftslage in der Elektroindustrie, im Ernährungsgewerbe, in der Metallerzeugung, im Stahlbau, im Maschinen- und Anlagenbau, in der Stahlindustrie, in der Medizintechnik, in der Gummi- und Kunststoffindustrie sowie in Teilen der Automobilzulieferindustrie. Deutlich angespannt bleibt die Situation bei den Gießereien. Vergleichsweise robust zeigt sich die Bauwirtschaft, die insbesondere von öffentlichen Aufträgen im Hoch- und Tiefbau profitiert.

Stabilisierend wirkt weiterhin der Dienstleistungssektor. Dort berichten 81 Prozent der Unternehmen von guten oder zumindest befriedigenden Geschäften. Besonders positiv entwickelt sich die IT-Wirtschaft, während bei Banken und Versicherungen befriedigende Lageeinschätzungen überwiegen. Im Handel setzt sich das durchwachsene Stimmungsbild fort. Das Gastgewerbe profitiert überwiegend vom lebhaften Sommergeschäft.

Schwache Aussichten bremsen Investitionen

Auch für die kommenden sechs Monate zeichnet sich keine durchgreifende Besserung ab. Lediglich fünf Prozent der Unternehmen rechnen mit besseren Geschäften, 19 Prozent erwarten eine Verschlechterung. Mit 76 Prozent geht die große Mehrheit von einer weitgehend unveränderten Entwicklung aus. Der Erwartungsindikator bleibt damit deutlich im negativen Bereich. Insbesondere in der Industrie belasten die schwache Nachfrage, hohe Energie- und Standortkosten sowie die Unsicherheit über die weitere wirtschaftliche Entwicklung die Investitionsbereitschaft.

„Deutschland steckt in einer Investitions- und Produktivitätskrise. Gerade angesichts des demografischen Wandels ist das eine zentrale wirtschaftspolitische Herausforderung: Mit weniger Erwerbstätigen müssen wir künftig mehr Wertschöpfung erzielen. Das gelingt nur mit höherer Produktivität – und dafür brauchen wir Investitionen in neue Technologien, Digitalisierung, KI und moderne Produktionsanlagen. Ohne Investitionen keine Produktivität, ohne Produktivität kein nachhaltiges Wachstum. Die von der Bundesregierung angekündigten Reformen bei Bürokratie, Arbeitsmarkt und sozialen Sicherungssystemen sind erste Schritte. Sie reichen aber bei weitem nicht aus. Jetzt müssen die strukturellen Standortnachteile Deutschlands konsequent abgebaut werden: durch wettbewerbsfähige Steuern und Energiepreise, niedrigere Abgaben, weniger Regulierung, schnellere Verfahren und eine moderne Infrastruktur. Entscheidend ist, dass sich Investitionen in Deutschland wieder rechnen. Kapital fließt dorthin, wo die Bedingungen stimmen. Wenn wir Wachstum, industrielle Wertschöpfung und Wohlstand im Land halten wollen, müssen wir genau diese Bedingungen jetzt schaffen“, so Thomé.

Ansprechpartner

Frauke Scholl
+49 (681) 9520-301
Zuständigkeitsbereich: Pressestelle, Redaktion saarwirtschaft