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25.06.2026

NextGen Finanzbildung 2026: „Der Auftrag ist klar, aber es fehlt an strategischen Konzepten“

Im Interview umreißen Iris Fürderer und Kai Fürderer, Geschäftsführung der Gesellschaft für Qualitätsprüfung, die Ergebnisse des ersten Bankentests „NextGen Finanzbildung 2026“.

NextGen Finanzbildung 2026
NextGen Finanzbildung 2026

Herrsching, 25.06.2026 (PresseBox) - Im Interview umreißen Iris Fürderer und Kai Fürderer, Geschäftsführung der Gesellschaft für Qualitätsprüfung, die Ergebnisse des ersten Bankentests „NextGen Finanzbildung 2026“. Sie beschreiben Auffälligkeiten, erklären, wo Banken noch lernen müssen, ihrer neuen Verantwortung angemessen gerecht zu werden und wie das neue Testformat dazu beitragen kann.

Mit dem neuen Bankentest NextGen Finanzbildung übertragen Sie die Verantwortung für Finanzbildung den Banken. Ist dies nicht eigentlich Sache des öffentlichen Sektors?

„Grundsätzlich liegt der Bildungsauftrag natürlich auf institutioneller Seite unter staatlicher Kontrolle. Beim Thema Finanzbildung zeigt sich jedoch, dass Schulen und Universitäten den wachsenden Anforderungen nicht schnell genug gerecht werden. Aktuell werden auch politisch Weichen für die finanzielle Zukunft der jetzt noch jungen Generationen gestellt. Dies beinhaltet vor allen Dingen eine weitere Betonung des Themas Eigenverantwortung. Diese Eigenverantwortung setzt wiederum Bildung voraus. Banken besitzen hier das erforderliche Know-how und die Ressourcen, um eine wichtige Aufgabe zu übernehmen oder zumindest das staatliche Angebot zu ergänzen.“

Das klingt doch sehr altruistisch: Banken als Bildungseinrichtungen – wie passt das zu deren wirtschaftlichen Interessen?

„Sehr gut sogar. Nein, mit Altruismus hat das wenig zu tun, auch wenn das Finanzbildungsangebot der Banken einen wichtigen Zweck erfüllt und von gesamtgesellschaftlichem Nutzen ist. Wenn Banken dazu beitragen, dass junge Erwachsene lernen, wie Vermögensaufbau funktioniert und wie sie aktiv zur eigenen Altersvorsorge beitragen können, dann können auch sie selbst davon profitieren: Zum einen präsentieren sie sich als kompetente Experten in Finanzfragen, zum anderen sichern sie sich den Zugang und die Gunst einer für die eigene Zukunft zentralen Zielgruppe. Man kann also sagen, dass Finanzbildung durch Banken und Sparkassen in reinster Form eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten darstellt.“

Und worin besteht die Aufgabe des neuen Testformats „NextGen Finanzbildung“?

„Wie unsere anderen Testformate soll auch der Bankentest NextGen Finanzbildung dem Anspruch und den Möglichkeiten die Realität gegenüberstellen. Als Teil des Young Finance Awards bieten wir damit sowohl Kunden eine Orientierungshilfe als auch den Banken und Sparkassen eine Qualitätskontrolle und im besten Fall eine Motivation. Indem wir aufzeigen, wie gut sich zumindest einzelne Banken bereits schlagen, motivieren wir die anderen, die eigenen Bemühungen zu intensivieren. Gleichzeitig dient unser Testkonzept, der Ausdruck unserer Erwartungen, gewissermaßen als Blaupause dafür, wie und in welchen Bereichen sich Banken engagieren müssen.“

Was erwarten Sie im Bereich Finanzbildung von den Banken?

„Der neue Bankentest konzentriert sich vor allen Dingen auf das Online-Angebot der Banken. Dabei gehen wir, wie in anderen Tests, multidimensional vor und prüfen in insgesamt sechs Hauptkategorien, die sich an den Erwartungen und Gewohnheiten der Zielgruppe orientieren. Insofern sind wir ganz bewusst nicht objektiv, sondern setzen die Brille der NexGen auf, um aus ihrer Sicht zu beurteilen, wie gut sich Banken und Sparkassen im Bereich der Finanzbildung schlagen.

Die Fragen, die der Test stellt, spiegeln die Anforderungen an die Banken wider: Befasst sich die Bank überhaupt mit dem Thema Finanzbildung? Wie gut sind entsprechende Informationen sichtbar und auffindbar? Hierbei steht die Website der Banken im Mittelpunkt der Betrachtung. Der Test sucht nach einem klar erkennbaren, thematisch relevanten und idealerweise erkennbar auf die junge Zielgruppe zugeschnittenen Informationsangebot.

Neben der Banken-Website gilt ein weiteres Hauptaugenmerk den Sozialen Medien. Auch hier fragt der Test, inwieweit die Banken deren Bedeutung als Teil einer Finanzbildungsstrategie erkannt haben und sie aktiv nutzen. Dabei spielt nicht nur die Frequenz eine Rolle, sondern auch die zielgruppenspezifische Gestaltung der Inhalte sowie die Interaktion mit der Community. Trotz der Anpassung an die Gepflogenheiten der neuen Medien dürfen dabei natürlich die Inhalte nicht zu kurz kommen, schließlich geht es um echte Finanzbildung. Entsprechend sollen Inhalte verständlich, praxisorientiert und strukturiert sein. Banken müssen beweisen, dass sie die Zielgruppe, ihre Bedürfnisse und Gewohnheiten kennen, sie verstehen und ihre Sprache sprechen. All dies muss sich in den Informationsangeboten widerspiegeln. Dabei soll das Angebot vielfältig sein und sowohl Online-Formate beinhalten als auch die Brücke in die reale Welt schlagen, zum Beispiel mit Schulprogrammen und Events. Schließlich profitieren die regionalen Banken vor Ort, so wie es unsere anderen Testformate immer wieder belegen, vor allen Dingen von ihrer persönlichen Nähe zum Kunden. Und schließlich fragt der Test, ob all diese Elemente Teil einer übergeordneten Strategie sind, die mit innovativen Mitteln umgesetzt wird und nicht zuletzt der Bank ein Alleinstellungsmerkmal und einen starken Wiedererkennungswert verleiht, auf dessen Grundlage auch sie letztlich langfristig profitieren kann.

So viel zur Theorie. Wie schlagen sich die Banken in der Praxis?

„Wie schon bei anderen Formaten wie den Bankentests „BESTE BANK vor Ort“ bzw. „SEHR GUT in der Baufinanzierung“ oder auch dem „Private-Banking-Test“ spiegelt auch der neue Test eine sehr große Bandbreite wider. Es zeigt sich, dass nur ausgewählte Banken ein umfassendes Angebot bieten. Sowohl was Tools und Angebote auf der Webseite betrifft als auch das Angebot an gutem Content auf Social Media. Gerade hier sind unseres Erachtens Trade Republic oder auch Scalable Capital gute Vorbilder bzw. Beispiele. Viele Banken sind hier entweder nicht sichtbar bzw. aktiv oder erläutern lediglich Banalitäten auf Social Media. Das führt aktuell dazu, dass zum Beispiel das Thema „Altersvorsorgedepot“ von allen möglichen Kanälen bzw. Anbietern aufgegriffen wird, aber eher selten bei den Regionalbanken im Feed zu sehen ist. Bei den inhaltlichen Themen braucht es Konzeption und kompetente Menschen vor der Kamera, sowohl analog als auch etwa bei Podcasts, und das ist in vielen Banken gar nicht möglich bzw. organisiert.

Hier werden eher von den Kollegen aus dem Marketing einzelne Begriffe oberflächlich erläutert, ohne den angemessenen Tiefgang. Insgesamt wird klar, dass viele Banken den grundlegenden Auftrag erkannt haben, es in vielen Fällen aber noch an strategischen Konzepten zu seiner Umsetzung fehlt.“

Ansprechpartner

Kai Fürderer
+49 (8152) 3961697
Zuständigkeitsbereich: Mitglied der Geschäftsleitung

Über Gesellschaft für Qualitätsprüfung mbH:

Die Gesellschaft für Qualitätsprüfung mbH ist ein unabhängiges Testinstitut mit Sitz in Herrsching am Ammersee. Seit 2016 analysiert und bewertet sie die Beratungs- und Servicequalität von Banken, Sparkassen, Genossenschaftsbanken, Privatbanken und Finanzdienstleistern.

Mit etablierten Testformaten wie „BESTE BANK vor Ort“, „SEHR GUT in der Baufinanzierung“, den Private-Banking-Analysen sowie den NextGen-Studien zur Finanzbildung und digitalen Kundenansprache schafft die Gesellschaft für Qualitätsprüfung Transparenz für Verbraucher und Orientierung für Finanzinstitute.

Ziel ist es, Beratungsqualität messbar zu machen, Kundenorientierung zu fördern und Impulse für die Weiterentwicklung der Finanzberatung zu setzen.

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