Mittelstandspresse
26.10.2026
Make-or-Buy ohne belastbare Zeiten? Wenn der Stückpreis die falsche Entscheidung nahelegt
Eigenfertigung und Fremdvergabe sind nur vergleichbar, wenn Zeitaufwand, Rüsten, Kapazität, Qualität und Risiken transparent sind.
Königsbach-Stein, 26.10.2026 (PresseBox) - Ein Lieferantenangebot liegt unter den kalkulierten Herstellkosten. Die Fremdvergabe scheint wirtschaftlich eindeutig. Doch wenn interne Zeitwerte nicht zum aktuellen Prozess passen oder freie Kapazität nur rechnerisch entsteht, kann der Stückpreisvergleich in die falsche Richtung führen. Eine belastbare Make-or-Buy-Entscheidung muss deshalb Kosten, Zeit, Kapazitätswirkung, Qualität und betriebliche Risiken auf dieselbe Entscheidungsbasis stellen.
Der interne Stückpreis ist nur so gut wie seine Zeitbasis
In der Eigenfertigung bestimmen Arbeits-, Maschinen-, Rüst- und Nebenzeiten einen wesentlichen Teil der Kalkulation. Werden Produktvarianten, Losgrößen oder Prüfaufwände nicht sauber abgebildet, ist der interne Vergleichswert verzerrt. Pauschale Gemeinkostenzuschläge können zusätzlich Kosten enthalten, die nach einer Fremdvergabe nicht tatsächlich verschwinden. Ein scheinbar hoher Eigenfertigungspreis ist deshalb noch kein Beleg für eine reale Einsparung.
Umgekehrt darf freie interne Kapazität nicht automatisch mit null bewertet werden. Wenn eine Maschine oder qualifizierte Fachkraft am Engpass gebunden ist, verhindert der Eigenfertigungsauftrag möglicherweise margenstärkere Aufträge oder verlängert Lieferzeiten. Entscheidend ist, welche Kapazität durch die Entscheidung tatsächlich frei wird und wie sie anschließend genutzt werden kann.
Losgröße und Rüsten verändern den Vergleich
„Make-or-Buy ist keine reine Einkaufsentscheidung“, erklärt Andreas Oschatz, Geschäftsführer der Oschatz Consulting GmbH. „Der Vergleich wird erst belastbar, wenn beide Varianten dieselbe Menge, dieselbe Qualität, denselben Zeitraum und dieselben Prozessbedingungen abbilden.“
Besonders bei Variantenfertigung wirken Losgröße und Rüstanteil stark. Eine externe Stückpreisstaffel kann attraktiv erscheinen, verlangt aber größere Lose und erhöht damit Bestände, Kapitalbindung oder Änderungsrisiken. In der Eigenfertigung können kleine Lose wiederum überproportional viele Rüststunden binden. Rüst- und Stückzeiten müssen deshalb getrennt erfasst und für die erwartete Bedarfskurve durchgerechnet werden.
Der Angebotsvergleich braucht vollständige Folgekosten
Zur Fremdvergabe gehören neben dem Lieferantenpreis unter anderem Transport, Wareneingangsprüfung, Verpackung, Disposition, Reklamationsbearbeitung und mögliche Anlaufkosten. Je nach Bauteil kommen Werkzeuge, Mindestabnahmen oder Sicherheitsbestände hinzu. Für die Eigenfertigung sind dagegen verbleibende Fixkosten, Instandhaltung, Ausschuss, interne Logistik und notwendige Investitionen relevant. Nur Kosten, die sich durch die Alternative wirklich verändern, dürfen als Vorteil angesetzt werden.
Auch nichtmonetäre Kriterien gehören sichtbar in die Vorlage. Dazu zählen Lieferzeit, Versorgungssicherheit, Qualitätsbeherrschung, Schutz von Prozesswissen, Flexibilität bei Änderungen und Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten. Diese Faktoren lassen sich nicht immer exakt in Euro übersetzen. Sie sollten dennoch mit definierten Kriterien und Gewichtungen dokumentiert werden, damit die Entscheidung später nachvollziehbar bleibt.
Szenarien verhindern Scheingenauigkeit
Eine einzige Absatzmenge erzeugt nur eine Momentaufnahme. Sinnvoll sind Varianten für niedrige, erwartete und hohe Mengen sowie für unterschiedliche Liefer- und Auslastungssituationen. Zusätzlich sollte geprüft werden, welche Schwelle den Vorteil zwischen Eigenfertigung und Fremdvergabe verändert. Dadurch wird erkennbar, ob die Entscheidung robust ist oder bereits bei kleinen Änderungen kippt.
Ein Pilotbauteil oder eine klar abgegrenzte Produktfamilie bietet einen überschaubaren Start. Vorhandene Plan- und Vorgabezeiten werden geprüft, fehlende Werte vor Ort erhoben und beide Alternativen mit denselben Annahmen gerechnet. Einkauf, Produktion, Controlling, Qualität und Arbeitsvorbereitung können die Ergebnisse anschließend gemeinsam bewerten.
Weiterführende Orientierung
Oschatz Consulting erläutert auf der Unternehmenswebsite, wie Plan- und Vorgabezeiten geprüft, Rüst- und Stückzeiten getrennt und Produktvarianten in einem nachvollziehbaren Planzeitkatalog abgebildet werden. REFA-orientierte Zeitstudien und Produktivitätsanalysen ergänzen die Datengrundlage. In einer kostenfreien Potenzialklärung lässt sich unverbindlich prüfen, für welche Produktfamilie ein Make-or-Buy-Pilot sinnvoll ist. Weitere Informationen: https://oschatz-consulting.de/planzeitermittlung, https://oschatz-consulting.de/refa-zeitstudien, https://oschatz-consulting.de/produktivitaetsanalyse und https://oschatz-consulting.de/kontakt.
Ansprechpartner
Andreas Oschatz
+49 (172) 7459448
Zuständigkeitsbereich: Geschäftsführer
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Andreas Oschatz von Oschatz Consulting GmbH im Gespräch
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