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Mittelstandspresse

22.10.2026

Personalmesse München: Eigenverantwortung braucht Rückhalt

Stadtwerke München zeigen neue Wege in der Personalentwicklung. Bei der Auftaktdiskussion sprechen Expert:innen über psychologische Sicherheit, Führung und KI.

Auftaktdiskussion ZPM 26
Auftaktdiskussion ZPM 26

München, 22.10.2026 (PresseBox) - Wie schaffen Unternehmen ein Umfeld, in dem Beschäftigte Verantwortung übernehmen, Veränderungen mitgestalten und Probleme offen ansprechen? Diese Frage stand im Mittelpunkt der Auftaktdiskussion auf der Personalmesse München powered by Zukunft Personal im MOC. Unter dem Titel „Von Zurückhaltung zu Ownership“ diskutierten Oliver Plank, Konzernpersonalleiter der Stadtwerke München, Berater:in, Wissenschaftler:in und Publizist:in Dr. Judith Jules Muster und Basketballtrainer Matthias Zollner über psychologische Sicherheit als Grundlage für Eigeninitiative und Leistungsfähigkeit. Moderiert wurde das Gespräch von Trainerin und Coach Alexandra Hagemann.

Stadtwerke München setzen auf praxisnahe Personalentwicklung

Wie sich Verantwortung organisatorisch verankern lässt, verdeutlichte Oliver Plank am Beispiel der Stadtwerke München. Das Unternehmen hat seine bisher eigenständige Personalentwicklung in operative Business-Partner-Teams integriert. Ziel ist es, Qualifizierungsmaßnahmen stärker an den konkreten Anforderungen der unterschiedlichen Betriebsbereiche auszurichten – vom Schwimmbad über den Straßenbahnbetrieb bis zur Geothermie.

Die bisherige Struktur habe gute Konzepte entwickelt, deren Wirkung im Betriebsalltag jedoch begrenzt geblieben sei. Plank brachte dies auf den Punkt: „1000 PS, aber die Kupplung hat gefehlt.“

Zugleich setzen die Stadtwerke verstärkt auf einen internen Arbeitsmarkt. Offene Stellen sollen vorrangig mit eigenen Beschäftigten besetzt werden, bei Bedarf unterstützt durch gezielte Weiterqualifizierung. Damit verbindet das Unternehmen Personalentwicklung mit Beschäftigungssicherung und einem verantwortungsvollen Umgang mit vorhandenen Kompetenzen.

Eigeninitiative ist eine Frage der Organisation

Dr. Judith Jules Muster machte deutlich, dass Eigenverantwortung nicht allein durch Appelle an die persönliche Einstellung entsteht. Entscheidend seien vielmehr Strukturen, Entscheidungsbefugnisse und betriebliche Anreizsysteme.

„Über Organisationsstrukturen kann man entscheiden, über das Mindset von Personen in Organisationen meistens nicht“, erklärte Muster.

Mit dem Begriff „Engagement-Dosierung“ beschrieb sie, warum Beschäftigte ihren Einsatz mitunter bewusst begrenzen. Wer Eigeninitiative fordert, gleichzeitig aber Entscheidungen kontrolliert oder Risiken auf Einzelne abwälzt, verhindere unternehmerisches Handeln. Führung müsse deshalb nicht nur Verantwortung übertragen, sondern Beschäftigten auch den notwendigen Rückhalt geben.

Psychologische Sicherheit stärkt Leistung und Veränderungsbereitschaft

Dass Eigenverantwortung und Leistungsanspruch keine Gegensätze sind, verdeutlichte Basketballtrainer Matthias Zollner mit Erfahrungen aus dem Spitzensport. Spieler müssten unter hohem Druck eigenständig entscheiden können – im Vertrauen darauf, dass ihr Trainer auch bei Fehlentscheidungen hinter ihnen stehe.

Entscheidend sei eine Führungskultur, in der Fehler offen angesprochen und gemeinsam ausgewertet werden. Auch Führungskräfte müssten bereit sein, eigene Fehlentscheidungen einzugestehen.

Die Diskussion zeigte zugleich, dass Veränderungsprozesse Verunsicherung auslösen können. Plank berichtete, dass die Neuorganisation der Personalarbeit bei den Stadtwerken München zunächst erhebliche Anpassungen erforderte. Umso wichtiger seien klare Zuständigkeiten und die Möglichkeit, Schwierigkeiten offen anzusprechen. Andernfalls würden Entscheidungen zunehmend nach oben verlagert.

KI erfordert kritisches Denken und eine offene Fehlerkultur

Besondere Relevanz gewinnt psychologische Sicherheit beim Einsatz künstlicher Intelligenz. Neue Technologien eröffnen Beschäftigten Möglichkeiten, Arbeitsprozesse zu verbessern und eigenständig Lösungen zu entwickeln. Gleichzeitig können innovative Ansätze auf Skepsis innerhalb der Organisation stoßen.

Muster betonte, dass technische Ausstattung und Weiterbildung allein nicht ausreichen. Unternehmen müssten Rahmenbedingungen schaffen, in denen Mitarbeitende neue Anwendungen erproben, Ergebnisse kritisch hinterfragen und Erfahrungen teilen können.

Die Diskussion knüpfte an den ZP-Nachgefragt Beitrag über KI-Kompetenz bei „Zukunft Personal nachgefragt“ vom 13. Oktober mit KI-Expertin Kenza Ait Si Abbou und Zukunft Personal Programmdirektorin Heike Riebe an.

Das zentrale Fazit des Auftakts: Eigenverantwortung entsteht dort, wo klare Entscheidungsräume, Vertrauen und eine konstruktive Fehlerkultur zusammenkommen. Psychologische Sicherheit ist damit kein Gegensatz zu Leistungsorientierung, sondern eine wesentliche Voraussetzung für wirksame Führung und erfolgreiche Transformation.

Personalmesse München: Treffpunkt für die HR-Praxis

Die Personalmesse München powered by Zukunft Personal hat vom 20. bis 21. Oktober 2026 im MOC – Event Center Messe München stattgefunden und bildete den Abschluss des Messejahres von Zukunft Personal. Mehr als 80 Aussteller, Partner und Sponsoren sowie 100 Sessions boten Personalverantwortlichen und Unternehmensentscheidern praxisnahe Impulse zu Recruiting, Führung, Personalentwicklung, Corporate Health und künstlicher Intelligenz. Der persönliche Austausch und das Networking innerhalb der HR-Community standen dabei im Mittelpunkt.

Weitere Informationen und Programm:

https://www.zukunft-personal.com/de/personalmesse-muenchen/

Ansprechpartner

Angela Steckelbach
+49 (621) 533976-47
Zuständigkeitsbereich: Medienkooperationen & Presse

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