Mittelstandspresse
09.10.2026
3D-Druck für die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie: Warum additive Fertigung jetzt strategisch wird
Interview mit Lukas Hohn, Geschäftsführer der HDC Group, über digitale Lieferketten, Fertigungssicherheit und den praktischen Nutzen additiver Fertigung
Berlin, 09.10.2026 (PresseBox) - Die sicherheits- und verteidigungsrelevante Industrie steht vor großen Herausforderungen. Lieferketten müssen robuster werden, Ersatzteile langfristig verfügbar bleiben und Entwicklungszeiten verkürzt werden. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Dokumentation, Qualitätssicherung und Datensicherheit. Vor diesem Hintergrund gewinnt die additive Fertigung zunehmend an Bedeutung.
Im Rahmen eines Vor-Ort-Interviews bei der HDC Blueprints GmbH in Ingolstadt sprach Dipl.-Ing. Dominik Heinz, Head of Additive Manufacturing bei druckerfachmann.de, mit Lukas Hohn, Geschäftsführer der HDC Blueprints GmbH, über die Rolle von 3D-Druck in modernen Fertigungs- und Lieferketten sowie über die besonderen Anforderungen der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie.
Die HDC Blueprints GmbH verbindet industrielle Praxis mit technologischem Know-how und den speziellen Anforderungen der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie. Das Unternehmen unterstützt seine Kunden dabei, Fertigungsprozesse zu analysieren, geeignete Technologien auszuwählen und innovative Produktionskonzepte wirtschaftlich umzusetzen. Insbesondere im Bereich der additiven Fertigung sieht HDC Blueprints großes Potenzial, um Lieferketten widerstandsfähiger zu gestalten, Entwicklungszeiten zu verkürzen und die Verfügbarkeit kritischer Komponenten langfristig sicherzustellen.
Additive Fertigung ist mehr als nur ein neuer Produktionsprozess
Ein zentrales Thema des Gesprächs war die Wahrnehmung des 3D-Drucks. Viele Unternehmen verbinden additive Fertigung noch immer ausschließlich mit Prototypen oder Einzelstücken. Die Realität sieht inzwischen anders aus.
Gerade in Branchen mit hohen Anforderungen an Verfügbarkeit, Nachvollziehbarkeit und Flexibilität entwickelt sich die additive Fertigung zunehmend zu einem strategischen Werkzeug. Statt Bauteile ausschließlich über klassische Lieferketten zu beschaffen, können Unternehmen digitale Fertigungsdaten vorhalten und Komponenten bedarfsgerecht produzieren.
Dadurch können sich Beschaffungszeiten erheblich verkürzen. Gleichzeitig lässt sich die Abhängigkeit von einzelnen Zulieferern oder internationalen Lieferketten reduzieren, deren Verfügbarkeit gerade in geopolitisch unsicheren Zeiten nicht selbstverständlich ist.
Versorgungssicherheit wird zum Wettbewerbsfaktor
Besonders für Unternehmen aus dem Umfeld der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie gewinnt die langfristige Verfügbarkeit von Bauteilen an Bedeutung.
Viele Systeme bleiben über Jahrzehnte im Einsatz. Während Fahrzeuge, Sensorik oder technische Systeme weiterhin betrieben werden, verschwinden die ursprünglichen Zulieferer teilweise vom Markt oder einzelne Komponenten werden abgekündigt.
Genau hier bietet additive Fertigung neue Möglichkeiten. Ersatzteile können als digitale Fertigungsdaten vorgehalten und bei Bedarf reproduziert werden. Unternehmen können dadurch ihre Abhängigkeit von klassischen Ersatzteillieferketten reduzieren und die Versorgungssicherheit ihrer Systeme erhöhen.
Die Möglichkeit, kritische Komponenten innerhalb kurzer Zeit selbst oder innerhalb eines qualifizierten Partnernetzwerks zu fertigen, kann damit zu einem strategischen Vorteil werden.
Know-how aus der Praxis entscheidet
Im Gespräch wurde zudem deutlich, dass erfolgreiche Projekte in der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie weit über die Auswahl eines geeigneten 3D-Druckers hinausgehen.
Entscheidend ist das Verständnis der tatsächlichen Einsatzbedingungen. Anforderungen an Haltbarkeit, Dokumentation, Materialeigenschaften und Qualitätssicherung unterscheiden sich häufig deutlich von klassischen Industrieanwendungen.
Lukas Hohn betonte, dass Unternehmen nicht einfach nur eine Technologie benötigen. Viel wichtiger sei es, den jeweils richtigen Fertigungsansatz für die konkrete Anwendung zu identifizieren. Additive Fertigung ist dabei oftmals ein Baustein einer größeren Produktionsstrategie.
Vom Prototyp bis zur einsatznahen Anwendung
Die Einsatzmöglichkeiten additiver Fertigung wachsen stetig. Besonders interessant sind Anwendungen in den Bereichen:
Ersatzteilversorgung
Vorrichtungs- und Betriebsmittelbau
Leichtbaukomponenten
Schutzgehäuse und Halterungen
Sonderlösungen für kleine Stückzahlen
Entwicklung und Erprobung neuer Produkte
Gerade dort, wo herkömmliche Fertigungsverfahren wirtschaftlich an ihre Grenzen stoßen oder Werkzeuge hohe Investitionskosten verursachen, kann 3D-Druck seine Stärken ausspielen.
Oberflächenbeschichtung und militärische Anforderungen
Bei Bauteilen für sicherheits- und verteidigungsrelevante Anwendungen endet die Betrachtung jedoch nicht mit dem eigentlichen Fertigungsprozess. Abhängig von Bauteil, Werkstoff, Einsatzumgebung und Beschaffungsvorgabe können auch Anforderungen an Oberflächenschutz, Beschichtung und deren Qualitätssicherung relevant werden.
Dabei spielen unter anderem Technische Lieferbedingungen (TL) der Bundeswehr sowie, abhängig vom jeweiligen Anwendungsfall, weitere militärische Spezifikationen und NATO-Standardisierungsvereinbarungen wie MIL-STD und STANAG eine Rolle. Entscheidend ist dabei immer die konkrete Anwendung und die für das jeweilige Bauteil geforderte Spezifikation.
Wie konkret solche Vorgaben sein können, zeigen die Technischen Lieferbedingungen des BAAINBw. Die TL A-0003 behandelt beispielsweise die Freigabe von Beschichtungssystemen für Bundeswehr-Landgerät im Bereich Oberflächenschutz, Lacke und Anstrichstoffe. Sie verweist dabei unter anderem auf Anforderungen und Prüfverfahren für Beschichtungsstoffe.
Damit rückt bei additiv gefertigten Komponenten nicht nur die Frage in den Mittelpunkt, ob ein Bauteil geometrisch hergestellt werden kann, sondern ob sich die gesamte Prozesskette einschließlich Material, Nachbearbeitung, Oberflächenbehandlung, Prüfung und Dokumentation entsprechend den geforderten Spezifikationen beherrschen lässt.
Dokumentation und Reproduzierbarkeit rücken in den Fokus
Neben Geschwindigkeit und Flexibilität spielt die Prozesssicherheit eine immer größere Rolle.
Unternehmen aus der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie benötigen nachvollziehbare Fertigungsabläufe, dokumentierte Materialchargen und reproduzierbare Ergebnisse. Je nach Bauteil und Beschaffungsanforderung können darüber hinaus definierte Spezifikationen für Werkstoffe, Oberflächen, Prüfverfahren oder Qualitätssicherung einzuhalten sein.
Die Technischen Lieferbedingungen der Bundeswehr dienen genau der Spezifikation wehrtechnisch genutzter Produkte und können unter anderem Leistungs- und Beschaffungsmerkmale sowie Anforderungen an die Qualitätssicherung enthalten. Das BAAINBw weist zugleich darauf hin, dass diese Technischen Lieferbedingungen regelmäßig angepasst werden können.
Für die additive Fertigung bedeutet dies: Entscheidend ist nicht allein der Druckprozess. Für qualifizierte Anwendungen muss die gesamte Prozesskette vom digitalen Bauteil über Fertigung und Nachbearbeitung bis zum dokumentierten Endprodukt betrachtet werden.
Additive Fertigung als strategischer Baustein
Das Gespräch mit Lukas Hohn zeigt, dass additive Fertigung in der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie längst kein Zukunftsthema mehr ist. Unternehmen setzen sich zunehmend mit der Frage auseinander, wie sie ihre Lieferketten resilienter gestalten, Ersatzteile langfristig verfügbar halten und Fertigungskompetenz wieder stärker ins eigene Haus holen können.
3D-Druck liefert dafür wichtige Antworten. Nicht als Ersatz für alle etablierten Fertigungsverfahren, sondern als strategische Ergänzung dort, wo Flexibilität, Versorgungssicherheit und Geschwindigkeit entscheidend sind.
Für viele Unternehmen könnte genau darin der größte Mehrwert liegen: weniger Abhängigkeiten, schnellere Reaktionsfähigkeit und eine Fertigung, die sich an den tatsächlichen Bedarf anpasst.
Kontakt HDC Blueprints GmbH
Info@hdc-blueprints.de
Produktion@hdc-blueprints.de
https://hdc-blueprints.de/
Lukas Hohn bei LinkedIn
https://de.linkedin.com/in/lukas-hohn
Interview auf YouTube:
https://youtu.be/clCcgtWX6MI
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3D-Druck für die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie: Warum additive Fertigung jetzt strategisch wird
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