Mittelstandspresse
25.09.2026
KI im Handel erreicht die Kaufberatung: Jeder sechste Verbraucher in Deutschland nutzte 2025 Einkaufswerkzeuge auf Basis generativer Modelle
Nur fünf Prozent würden für einen digitalen Einkaufsassistenten zahlen, 89 Prozent wollen dessen Spielraum vorab festlegen: Was eine Befragung von 12.000 Menschen in zwölf Ländern über Vertrauen und Grenzen maschineller Empfehlungen zeigt
Bietigheim-Bissingen, 25.09.2026 (PresseBox) - Ein Assistent, der Vorschläge macht, ist in deutschen Haushalten angekommen, das Bezahlen dafür nicht. Das Capgemini Research Institute hat am 7. Januar 2026 seinen Consumer Trends Report 2026 vorgelegt und dafür 12.000 Verbraucherinnen und Verbraucher in zwölf Ländern befragt, davon 1.000 in Deutschland. Laut dieser Erhebung nutzte im Jahr 2025 jeder sechste Verbraucher hierzulande Einkaufswerkzeuge auf Basis generativer Modelle, international war es ein Viertel. Zahlen möchte dafür in Deutschland nur ein Zwanzigstel der Befragten. Wie eine solche Vorauswahl im Alltag aussieht, zeigt eine KI-gestützte Vorschlagsliste für Geschenke.
Zwei Werte trennen die Neugier von der Zahlungsbereitschaft
Die Bereitschaft, einen Assistenten zu nutzen, wächst schneller als die Bereitschaft, ihn zu bezahlen. Nach Angaben des Capgemini Research Institute wollen 27 Prozent der deutschen Befragten solche Werkzeuge künftig einsetzen, international sind es 31 Prozent. Bei der Zahlungsbereitschaft kehrt sich das Bild um: 5 Prozent in Deutschland stehen 19 Prozent international gegenüber.
Der Abstand ist der eigentliche Befund der Erhebung. Eine Beratungsleistung, die sich nicht direkt verkaufen lässt, muss ihren Wert an anderer Stelle zeigen – an der Trefferquote der Vorschläge, an weniger Fehlkäufen, an weniger Rücksendungen.
„Ein Vorschlagsdienst, den kaum jemand abonnieren will, muss sich im Verkaufsvorgang selbst rechtfertigen. Wer ihn trotzdem als eigenes Produkt anbietet, verhandelt gegen eine sehr deutliche Zahl“, sagt Alexander Weipprecht, Geschäftsführer der Provimedia GmbH.
Wie viel Kontrolle Verbraucher vor der ersten Empfehlung einfordern
Die Befragten wollen die Grenzen selbst ziehen, bevor eine Software in ihrem Namen handelt. Laut dem Consumer Trends Report 2026 verlangen 89 Prozent der deutschen Teilnehmenden, den Handlungsspielraum eines Assistenten vorher festzulegen, international sind es 76 Prozent. Genannt werden dabei Ausgabengrenzen und die Festlegung erlaubter Produktgruppen.
Vertrauen entsteht der Erhebung zufolge vor allem durch Offenlegung. 46 Prozent der deutschen Befragten vertrauen einer Empfehlung stärker, wenn die Software die Gründe dafür nennt; international liegt dieser Anteil bei 66 Prozent. Zwei Drittel der Menschen in Deutschland äußern zugleich Sorge darüber, wie generative Modelle persönliche Angaben verwenden.
Woran die Akzeptanz maschineller Vorschläge im Handel hängt
Vier Messwerte aus der deutschen Teilstichprobe zeigen, unter welchen Voraussetzungen eine automatisierte Kaufberatung angenommen wird. Der Bericht erhebt dazu nicht nur die Nutzung, sondern auch die Bedingungen, unter denen Befragte eine Empfehlung überhaupt zulassen:
89 Prozent wollen den Handlungsrahmen des Assistenten vorab bestimmen.
61 Prozent erwarten eine eindeutige Kennzeichnung maschinell erzeugter Werbung.
46 Prozent vertrauen einer Empfehlung mehr, wenn deren Begründung sichtbar ist.
40 Prozent wünschen sich stark personalisierte Inhalte aus generativen Modellen.
Mehr als sieben von zehn Befragten wollen bei komplexeren Entscheidungen weiterhin einen Menschen sprechen können. Die Erhebung nennt dafür Beispiele wie die Planung von Mahlzeiten und Serviceanfragen. Eine Empfehlungsmaschine ersetzt damit nach Lage der Daten keine Beratung, sondern verkürzt die Vorauswahl.
Wo KI im Handel an der eigenen Datenbasis hängen bleibt
Auf der Anbieterseite steht der Engpass nicht bei den Modellen, sondern bei den Beständen. Das EHI Retail Institute (Forschungsinstitut des Handels mit Sitz in Köln) befragte für die Studie „KI-Integration im Handel“ Verantwortliche und IT-Entscheidungsträger aus 38 Unternehmen im deutschsprachigen Raum; die Veröffentlichung erfolgte im November 2025. Laut dieser Studie bewerten 67 Prozent der befragten Verantwortlichen die Integration ihrer Daten als schlecht oder eher schlecht, nur 13 Prozent als gut.
Als Ursachen nennt die Studie über verschiedene Systeme verteilte Bestände, fehlende Schnittstellen und historisch gewachsene Systemlandschaften. Ein Vorschlagsdienst, der auf lückenhafte Artikelstammdaten zugreift, erzeugt Empfehlungen, die im Regal nicht eingelöst werden können.
Was die Befunde für das Weihnachtsgeschäft 2026 bedeuten
Im Herbst 2026 verschiebt sich damit die Frage. Nicht die Verfügbarkeit von Sprachmodellen entscheidet über den Nutzen einer digitalen Kaufberatung, sondern die Qualität der dahinterliegenden Artikeldaten und die Transparenz gegenüber dem Kunden.
Für den Handel folgt daraus eine nüchterne Rechnung. Ein Viertel der internationalen Befragten nutzt solche Werkzeuge bereits, ein knappes Drittel will nachziehen – bezahlen will sie kaum jemand. Der Ertrag muss deshalb aus dem Sortiment kommen und nicht aus dem Werkzeug. Die nächste Vergleichsmessung steht bereits fest: Das Capgemini Research Institute erhebt seine Verbraucherbefragung jährlich, die sechste Ausgabe ist für den Januar 2027 zu erwarten.
Ansprechpartner
Alexander Weipprecht
+49 (7142) 3442727
Zuständigkeitsbereich: CEO
Über Provimedia GmbH:
Die Provimedia GmbH ist ein Online-Verlag mit Sitz in der Region Stuttgart. Wir schaffen wertvolle Informationen in unterschiedlichen Branchen um Wissen schnell und einfach zugänglich zu machen. Wir haben uns auf übersichtliche Webseiten und Auffindbarkeit von Informationen spezialisiert.
Datei-Anlagen:
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Tablet mit Vorschlagsliste auf einem Ladentisch neben verpacktem Geschenk und Notizblock - Ein Tablet steht aufgeklappt auf einem hellen Ladentisch und zeigt eine schematische Vorschlagsliste ohne lesbare Schrift, daneben liegen ein schlicht verpacktes Geschenk mit Schleife, ein Notizblock und ein Stift. Symbolbild zur digitalen Kaufberatung im Handel. Bild KI-generiert.
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