Mittelstandspresse
14.07.2026
Interview: Molchtechnik für Planer und Anwender – Warum in Rohrleitungen oft mehr Geld steckt, als Unternehmen vermuten
Essen, 14.07.2026 (PresseBox) - Interview von Dipl.-Ing. Kai Brommann (HDT – Haus der Technik, Essen) mit Georg Biehler, Leiter der Tagung „Molchtechnik“ am 18.03.27 im HDT in Essen.
Herr Biehler, viele Ingenieure kennen Pumpen, Ventile und Wärmetauscher sehr gut. Die Molchtechnik führt dagegen häufig noch ein Schattendasein. Warum eigentlich?
Das ist tatsächlich interessant. Fast jeder Betreiber einer Prozessanlage kennt das Problem von Produktrückständen in Rohrleitungen, langen Reinigungszeiten oder aufwendigen Produktwechseln. Dennoch wird die Molchtechnik bei Neubauten oder Modernisierungen häufig erst spät betrachtet. Dabei steckt gerade hier enormes Optimierungspotenzial. Viele Unternehmen akzeptieren Verluste als gegeben, obwohl sich diese technisch vermeiden lassen. Wenn beispielsweise in einer Lackfabrik nach jedem Produktionslauf mehrere hundert Liter hochwertiges Produkt in Rohrleitungen verbleiben, wird dies oft als unvermeidbarer Prozessverlust betrachtet. Tatsächlich lässt sich ein großer Teil dieser Produktmenge mit einem Molchsystem zurückgewinnen. Genau diese Zusammenhänge werden in der Praxis häufig unterschätzt.
Für Leser, die noch nie mit dem Thema gearbeitet haben: Was passiert beim Molchen eigentlich genau?
Vereinfacht gesagt wird ein speziell geformter Molch durch eine Rohrleitung bewegt. Dieser Molch sitzt nahezu passgenau im Rohr und schiebt das Produkt vor sich her. Dadurch wird die Leitung nahezu vollständig entleert.
Stellen Sie sich eine 300 Meter lange Rohrleitung in einem Chemiewerk vor. Nach Produktionsende verbleibt dort oft eine erhebliche Menge Produkt. Ohne Molchtechnik müsste dieses Produkt entweder ausgespült, verworfen oder mit großem Aufwand zurückgewonnen werden. Mit einem Molchsystem wird das Medium dagegen gezielt aus der Leitung verdrängt und dem Produktionsprozess wieder zugeführt. Das Ergebnis sind geringere Produktverluste, weniger Reinigungsaufwand und deutlich kürzere Umrüstzeiten. Besonders bei hochwertigen Medien kann dies erhebliche wirtschaftliche Vorteile bringen.
Wo begegnet uns die Molchtechnik im industriellen Alltag?
In deutlich mehr Branchen, als viele vermuten. Ein typisches Beispiel ist die Lebensmittelindustrie. Denken Sie an Joghurt, Schokolade, Ketchup oder Fruchtkonzentrate. Nach einem Produktionsdurchlauf verbleiben oft große Mengen wertvoller Produkte in Rohrleitungen. Diese Produkte sind bereits hergestellt, geprüft und verkaufsfähig. Werden sie ausgespült, entstehen direkte Verluste.
Ähnlich sieht es in der Pharmaindustrie aus. Hier stehen weniger die Produktverluste als vielmehr die Produktsicherheit und Chargentrennung im Vordergrund. Bereits geringste Vermischungen können hohe Kosten verursachen oder ganze Chargen unbrauchbar machen.
In der Chemieindustrie wiederum spielen häufig Produktwechsel, Lösungsmittelverbräuche und Reinigungszeiten eine entscheidende Rolle. Dort kann die Molchtechnik dazu beitragen, Produktionsanlagen flexibler und wirtschaftlicher zu betreiben.
Viele Betreiber denken zunächst an Reinigung. Geht es bei der Molchtechnik nicht eigentlich um viel mehr?
Absolut. Die Reinigung ist nur ein Teilaspekt. Moderne Molchsysteme beeinflussen oft die gesamte Wirtschaftlichkeit einer Anlage.
Nehmen wir als Beispiel einen Hersteller von Spezialchemikalien. Dort werden täglich unterschiedliche Produkte über dieselben Leitungen transportiert. Ohne Molchtechnik müssen die Leitungen zwischen den Produktionschargen aufwendig gespült werden. Das bedeutet Stillstand, Personalaufwand, Wasserverbrauch, Abwasseraufkommen und Energieeinsatz. Durch ein geeignetes Molchsystem kann die Restmenge des ersten Produkts zunächst nahezu vollständig zurückgewonnen werden. Anschließend reduziert sich der Reinigungsaufwand erheblich. Die Anlage steht schneller wieder für die nächste Charge zur Verfügung. Das bedeutet letztlich mehr Produktionszeit und weniger Nebenkosten. Viele Betreiber betrachten zunächst nur die Investitionskosten. Die eigentliche Wirtschaftlichkeit zeigt sich jedoch häufig erst im laufenden Betrieb.
Welche Fehler beobachten Sie bei der Planung besonders häufig?
Der größte Fehler besteht darin, die Molchtechnik erst dann zu betrachten, wenn die Rohrleitungsplanung bereits abgeschlossen ist.
Ein Molchsystem stellt bestimmte Anforderungen an die Rohrleitung. Ventile, Bögen, Armaturen, Abzweigungen und Rohrdurchmesser müssen berücksichtigt werden. Wird dies von Anfang an eingeplant, lassen sich optimale Lösungen entwickeln.
Wenn dagegen erst nach der Inbetriebnahme festgestellt wird, dass Produktverluste zu hoch oder Reinigungszeiten zu lang sind, wird die Nachrüstung deutlich komplizierter und teurer.
Ein weiterer Fehler besteht darin, ausschließlich auf die Produktentleerung zu schauen. Gute Planer betrachten immer das Gesamtsystem. Welche Medien werden transportiert? Wie oft erfolgen Produktwechsel? Welche Hygienestandards gelten? Welche Reinigungsverfahren kommen zum Einsatz? Erst aus dieser Gesamtsicht ergibt sich die optimale Lösung.
Im Seminar geht es auch um die Grenzen der Molchtechnik. Warum ist das wichtig?
Weil die Molchtechnik kein Allheilmittel ist. Nicht jede Anlage eignet sich automatisch für den Einsatz eines Molchsystems. Manche Medien weisen besondere rheologische Eigenschaften auf. Andere Prozesse haben komplexe Rohrleitungsgeometrien oder sehr häufige Verzweigungen. In solchen Fällen muss genau geprüft werden, ob die technischen Voraussetzungen erfüllt sind und welcher Nutzen tatsächlich erzielt werden kann.
Genau deshalb legen wir im Seminar großen Wert auf eine neutrale und realistische Betrachtung. Die Teilnehmer lernen nicht nur, wo Molchtechnik hervorragend funktioniert, sondern auch, wo ihre Grenzen liegen. Das verhindert Fehlinvestitionen und sorgt für fundierte Entscheidungen.
Wie wichtig wird das Thema Nachhaltigkeit bei Molchsystemen?
Die Bedeutung nimmt stetig zu. Früher wurde oft nur auf die reine Produktausbeute geschaut. Heute spielen zusätzlich Wasserverbrauch, Energieeffizienz, Abwassermengen und CO₂-Reduzierung eine wichtige Rolle.
Wenn ein Unternehmen durch Molchtechnik jährlich mehrere tausend Kubikmeter Spülwasser einsparen kann, wirkt sich das nicht nur auf die Betriebskosten aus. Es reduziert gleichzeitig die Umweltbelastung. Dasselbe gilt für Reinigungschemikalien oder Energie, die für Spül- und Reinigungsprozesse benötigt wird. Viele Unternehmen beschäftigen sich aktuell intensiv mit Nachhaltigkeitsstrategien. Die Optimierung von Rohrleitungssystemen wird dabei zunehmend zu einem wichtigen Baustein.
Was lernen die Teilnehmer konkret im Seminar „Molchtechnik für Planer und Anwender“?
Die Veranstaltung vermittelt deutlich mehr als reine Theorie. Die Teilnehmer erhalten zunächst ein fundiertes Verständnis darüber, wie Molchsysteme aufgebaut sind und welche technischen Grundlagen für ihren Einsatz erforderlich sind. Anschließend wird gezeigt, wie sich die technische Machbarkeit bewerten lässt und welche Kriterien bei der Planung berücksichtigt werden müssen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Wirtschaftlichkeit. Viele Teilnehmer möchten wissen, ob sich eine Investition tatsächlich lohnt. Deshalb werden typische Einsparpotenziale analysiert und anhand praktischer Beispiele nachvollziehbar dargestellt.
Darüber hinaus beschäftigen wir uns mit der Auswahl geeigneter Systeme, mit Beschaffung, Montage und Inbetriebnahme sowie mit Erfahrungen aus realen Industrieprojekten. Ziel ist es, dass die Teilnehmer nach dem Seminar in der Lage sind, Chancen und Risiken eines Molchsystems fachlich und wirtschaftlich zu bewerten.
Wer sollte dieses Seminar unbedingt besuchen?
Besonders profitieren Ingenieure und Techniker aus der Prozessindustrie, die mit Rohrleitungssystemen, Anlagenplanung oder Produktionsprozessen zu tun haben.
Dazu gehören Verfahrenstechniker, Anlagenplaner, Projektingenieure, Betriebsingenieure, Produktionsverantwortliche sowie technische Entscheider aus der Chemie-, Pharma-, Lebensmittel- und Kosmetikindustrie.
Auch Fachkräfte, die Investitionsentscheidungen vorbereiten oder Optimierungsprojekte begleiten, erhalten wertvolle Entscheidungsgrundlagen. Denn häufig geht es nicht nur darum, eine technische Lösung zu verstehen, sondern deren wirtschaftlichen Nutzen belastbar bewerten zu können.
Abschließend: Warum sollten sich Interessierte gerade jetzt mit Molchtechnik beschäftigen?
Weil die Anforderungen an Produktionsanlagen stetig steigen.
Unternehmen müssen heute wirtschaftlicher produzieren, Ressourcen effizienter nutzen, Produktqualität sichern und gleichzeitig Nachhaltigkeitsziele erreichen. Die Molchtechnik verbindet all diese Aspekte in einer einzigen Technologie.
Wer heute Rohrleitungssysteme plant, modernisiert oder betreibt, sollte die Möglichkeiten der Molchtechnik kennen. Nicht weil jede Anlage ein Molchsystem benötigt, sondern weil sich ohne dieses Wissen mögliche Einsparungen und Optimierungspotenziale oft gar nicht erkennen lassen.
Genau deshalb vermittelt das Seminar nicht nur technisches Fachwissen, sondern auch den Blick für wirtschaftliche Zusammenhänge. Und dieser Blick entscheidet häufig darüber, ob eine Investition später als Kostenfaktor oder als echter Wettbewerbsvorteil wahrgenommen wird.
Weitere Informationen zum Seminar:
Molchtechnik für Planer und Anwender
Grundlagen, Einsatzgebiete, Ausrüstung, Komponenten und Vorteile der Molchtechnik
18.03.27 in Essen
Ansprechpartner
Dipl.-Ing. Kai Brommann
+49 (201) 1803-251
+49 (201) 1803-269
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+49 (201) 1803-366
Zuständigkeitsbereich: Chefredakteur HDT-Journal und Leiter Unternehmenskommunikation
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Viele produzierende Unternehmen akzeptieren Verluste durch Rückstände in Rohren als gegeben, obwohl sich diese technisch vermeiden lassen. Im Interview erläutert Georg Biehler, Leiter der Tagung „Molchtechnik“ am 18.03.27 im HDT in Essen, warum in Rohrleitungen oft mehr Geld steckt, als Unternehmen vermuten. Hinweis: Das Bild entstand unter Zuhilfenahme von künstlicher Intelligenz.
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