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17.08.2011 - Praxisbeispiele - Medien / Marketing

Wolfgang Rasspe-Dahmann: Investitionsmanagement

Praxishandbuch für Unternehmer und Führungskräfte

(Initiative Mittelstand) Investitionen sind ein ganz wesentlicher Faktor zur Sicherung des Fortbestandes wettbewerbsfähiger Unternehmen. Was passiert, wenn nicht kontinuierlich re- und neuinvestiert wird, kann man am bedauerlichen Zustand der öffentlichen Infrastruktur seit Jahr beobachten.

Rasspe-Dahmann legt mit seinem "Investitionsmanagement" ein Werk vor, das sich als "Praxishandbuch für Unternehmer und Führungskräfte" versteht. Allerdings würde es nicht schaden, wenn auch Politiker dieses Buch zur Hand nähmen, um einen Eindruck davon zu bekommen, wie wichtig und komplex Investitionsentscheidungen der Unternehmen sind und dass dazu verlässliche staatliche Rahmenbedingungen erforderlich sind. Darüber hinaus ist das Buch Studierenden betriebswirtschaftlicher wie technischer Fächer zu empfehlen, weil die geschilderten Investitionsfälle bzw. -vorhaben den theoretischen Hintergrund erkennen lassen und ihn mit konkreten Inhalten füllen. Dies hilft, »trockene« Theorielehrbücher mit anderen Augen durchzuarbeiten.

Deutschland lebt im Prozess der Globalisierung von Produkten, die einen hohen Kapitaleinsatz erfordern. Dementsprechend bezieht sich das "Investitionsmanagement" vorrangig auf kapitalintensive Branchen, auch wenn die vorgestellten Überlegungen und Instrumente branchenunabhängig sind (S. V). Das "Praxishandbuch" gliedert sich in zwei Teile. Im ersten Teil (S. 1-175) behandelt der Verfasser die »Grundlagen des Innovationsprozesses« umfassend und sehr präzise. Dabei wird gezeigt, dass der Investitionsprozess mit allen Facetten des Unternehmens funktional verknüpft ist. Das im Einzelnen dann ausdifferenzierte Investitionskonzept umgreift einen langfristigen strategischen Teil, einen permanent im Auge zu behaltenden betriebswirtschaftlichen Teil und schließlich den führungsorientierten Teil (S. V). Investitionen müssen zunächst natürlich dem langfristig ausgerichteten Leitbild des Unternehmens folgen (S. 12 ff.). Bei ihrer oft längere Zeit in Anspruch nehmenden Umsetzung müssen stets sowohl die Finanzierbarkeit wie auch der normale betriebliche Produktionsprozess im Auge behalten werden. Dabei kommt dem Investitionscontrolling eine wichtige Funktion zu, weil es »als zentrale Klammer« "eine gemeinsame Informationsbasis und gemeinsame Sichtweise auf die Investition (schafft), indem es das strategische Wissen der Unternehmensleitung auf das operative Know-how der Basis zusammenführt" (S. 167). Und nicht zuletzt hängt ihr Erfolg davon ab, dass die Belegschaft »mitzieht« (S. 22 ff.).

Auf der Basis dieser drei funktional miteinander verbundenen Bereiche entfaltet Rasspe-Dahmann seine weiteren Ausführungen. Er behandelt alle wichtigen Aspekte, die konzentriert, präzise und in sachlogischer Weise abgehandelt werden. Die immer wieder aufgenommenen Praxisbeispiele zeigen, wie schmal der Grat zwischen Erfolg und Misserfolg einer Investition sein kann.

Aus der Fülle der behandelten Aspekte seien hier exemplarisch nur folgendes herausgenommen: Was bedeutet es für die Führungsstruktur im Unternehmen, wenn nicht nur Bankfinanzierungen vorgenommen werden, sondern auch privates Beteiligungskapital eingeworben wird? Welche quantitativen Methoden der Investitionsrechnung kommen in Betracht, um gegebene Alternativen zu bewerten? Welcher Wert ist qualitativen Methoden beizumessen? Und wie ist das Investitionsontrolling aufzubauen, um jederzeit über den Stand des Investitionsprojektes informiert zu sein.

Im Übrigen muss sich ein Unternehmen unter Umständen auch mit der Frage befassen, ob es sinnvoll ist, die eine andere Aktivität aufzugeben. Auch diesem Problem widmet Rasspe-Dahmann einen durchdachten Abschnitt (Desinvestition, S. 163 ff.).

Im zweiten Teil des Buches ("Spezialbereiche des Investitionsmanagements"; S. 177-258) geht der Verfasser weit über die zuvor behandelten Probleme und Lösungsansätze des herkömmlichen Investitionsprozesses hinaus. Hier geht es um weitere, ganz zentrale strategische Fragen, die ebenfalls im Gleichklang von »Strategie, betriebswirtschaftlicher Rechnung« und »Führung« zu behandeln sind. Dazu zählt die Frage, ob Investitionen möglicherweise outgesourct werden sollen, und welche Vorteile es bietet, wenn bestimmte, meist geringwertige und stets wiederkehrende Investitionen in einem Kooperationsverbund durchgeführt werden. Von ganz entscheidender Bedeutung sind überdies Investitionen im F&E-Bereich sowie die Aufgabe, den Wissensschatz der Mitarbeiter und gute Kundenbeziehungen zu steuern. Voraussetzung der Steuerung ist das Bewusstsein, dass sich stete Investitionen in die (betriebliche)

Bildung bezahlt machen, weil sie dauerhaften Erfolg garantieren. Dazu ist es erforderlich, Kriterien zu entwickeln, wie das intellektuelle Kapital erfasst und sodann gepflegt und fortentwickelt werden kann (Kap. 13, S. 245 ff.)
Wirtschaftliches Handeln spielt sich nicht durchweg in Schönwetterperioden ab. Man kann daher die Hege und Pflege des intellektuellen Kapitals als zentrale Basis für die Ausführungen verstehen, die Rasspe-Dahmann im 11. und 12. Kapital zum „Investieren in Krisenzeiten“ (S. 216 ff.) und zum „Investieren in Umwelt und Nachhaltigkeit“ entwickelt. Der Rezensent erlaubt sich daher den kleinen Hinweis, das Kapitel zum intellektuellen Kapital eventuell vorzuziehen.

Das „Praxishandbuch“ zum Innovationsprozess ist, wie erwähnt, auch Studierenden sehr zu empfehlen. Es ist – trotz der scheinbar trockenen Materie – eingängig und verständlich geschrieben, ohne an der erforderlichen Präzision zu verlieren. Die mannigfachen aus der Praxis entnommenen Beispiele für gelungene und misslungene Investitionsprozesse lockern die Lektüre auf und erweitern das Verständnis, ohne dass beim Lesen das Gefühl eines »erhobenen Zeigefingers« aufkommt. Hinzu treten außerordentlich nützliche Tabellen und Graphiken, die die komplexen Zusammenhänge verdeutlichen. Hilfreich ist zudem, dass Verfasser und Verlag die in den Ausführungen des Buches und behandelten und zum Teil im Anhang (S. 259 ff.) wiedergegebenen »Tools« (Tabellen, Checklisten, Rechnungslegungskalküle) zum Download bereitstellen. Sie können bequem entnommen und bei Bedarf den jeweiligen spezifischen Anforderungen entsprechend angepasst werden. Ein auskunftsreiches Glossar (S. 301 ff.) und ein sinnvolles Stichwortverzeichnis (S. 317 ff.) verleihen dem vorliegenden Buch auch einen hohen Wert als Nachschlagewerk. Das Literaturverzeichnis erfasst den neuesten Stand.

Prof. Dr. habil. Siegfried F. Franke, Universität Stuttgart

Wolfgang Rasspe-Dahmann:
Investitionsmanagement
Praxishandbuch für Unternehmer und Führungskräfte
Schäffer-Poeschel Verlag, Stuttgart 2011,
ISBN 978-3-7910-2976-4, XVI S., 325 S., € 49,95

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