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14.06.2010 - Unternehmensressource Gesundheit

Buch-Vernissage und Podiumsdiskussion mit Top-Managern in Wolfsberg

Weshalb die Folgen schlechter Führung kein Arzt heilen kann

(Initiative Mittelstand) Wenn der Krankenstand sinkt – geht es dem Unternehmen dann gut oder schlecht? Kaum eine Kennzahl bietet breiteren Spielraum für abenteuerliche
Interpretationen als der Krankenstand. Dabei ist das Thema Gesundheit im
Unternehmen viel zu ernst: Gesundheit hat weniger mit Medizin als mit
Führung zu tun. Sind die Mitarbeiter krank, ist die Firma der Patient.

Wie groß der Einfluss von Führungskräften auf Wohlbefinden und Arbeits-
fähigkeit der Mitarbeiter ist, darauf machen die beiden Mediziner
Dr. Walter Kromm und Dr. Gunther Frank in ihrem neuen Fachbuch
„Unternehmensressource Gesundheit – Weshalb die Folgen schlechter
Führung kein Arzt heilen kann“ (Symposion Publishing, Düsseldorf)
aufmerksam.

Ihre These: Es sind nicht die Ärzte, sondern die Führungskräfte, die den
entscheidenden Beitrag für ein gesundes und damit erfolgreiches Unter-
nehmen leisten.

Diese These stand im Mittelpunkt einer Buch-Vernissage am 7. Juni 2010
im UBS Health Forum in Wolfsberg (www.wolfsberg.com), wo sie im
Rahmen eines hochkarätig besetzten Podiums vor interessiertem Publikum
intensiv diskutiert wurde.

Ein Ergebnis: Es reicht nicht, ein Gesundheitsprogramm zu initiieren oder
einige Fitnesstrainer ins Unternehmen zu holen, um auf einen gesunden
Lebensstil der Mitarbeiter hinzuwirken. Kern des Problems ist der
Führungsstil. Folgt dieser nicht einem Verständnis von Partnerschaft und
Fairness, nehmen gesundheitliche Probleme zu und die Ergebnisse des
Unternehmens verschlechtern sich nachweislich.

Welche finanziellen Ausmaße das Problem hat, betonte Diskussionsleiter
Lutz Becker, Professor für Internationales Management und Unter-
nehmensführung an der Karlshochschule International University Karls-
ruhe: Durch betriebsbedingte Ausfälle entstehe deutschen Unternehmen
jährlich ein Verlust von 6,3 Milliarden Euro.

Was also läuft falsch in den Unternehmen? Von einer generellen Schief-
lage mochte Arthur Decurtins, Vice Chairman von Wealth Manage-
ment & Swiss Bank der UBS AG, nicht sprechen, verwies aber auf die
extremen Veränderungen in der Arbeitswelt: In der modernen Dienst-
leistungsgesellschaft entstehe heute dadurch ein ganz anderer,
psychischer Druck.

Sind Unternehmen heute also krankmachende Biotope? Der Aufsichts-
ratsvorsitzende der Commerzbank, Prof. Klaus-Peter Müller, wider-
sprach hier energisch: Gesundheit sei in der Tat ein vernachlässigtes
Thema. Doch kein Unternehmer lege Wert auf eine kultivierte
Erkrankung seiner Mitarbeiter. Gerade in Großunternehmen ließen sich
die Probleme gut lokalisieren. Hier sei gezielte Ursachenforschung
angezeigt – und möglich. Allerdings brauchten Veränderungen in der
Führungskultur in großen Unternehmen viel Zeit, das sei gerade beim
eigenen Merger zwischen Commerzbank und Dresdner Bank mit
65.000 Mitarbeitern gut zu beobachten. Und: Nicht zu unterschätzen
seien auch die Ursachen im gesellschaftlichen und privaten Umfeld
sowie die mangelnde Veränderungsbereitschaft einzelner.

Lassen sich die Mitarbeiter also zu sehr hängen? Ole Petersen,
Geschäftsführer der fit im job AG, Winterthur widersprach: Der
Blaumacher sei ein Phänomen aus vergangenen Zeiten. Heute erlebe
man genau das Gegenteil: Weil über den Beschäftigten das Damokles-
schwert des drohenden Jobverlustes bzw. des wachsenden Drucks durch
globalen Wettbewerb schwebe, arbeiteten manche Menschen oft noch
bis spät in die Nacht hinein. Wie wenig produktiv das sei und welche
Folgen das für das Privatleben habe, sei leicht auszurechnen. Und das
zu ändern, sei eine Führungsaufgabe.
Dr. Peter Müller-Knecht, Verwaltungsratspräsident der Knecht &
Müller AG, Stein am Rhein unterstrich: Präsentismus sei wenig hilfreich,
es komme mehr auf die Qualität der Anwesenheit als auf die Quantität an.

Qualität der Arbeitsleistung ist nur zu erreichen, wenn Führungskräfte die
Relevanz des Themas erkennen und einen wertschätzenden Führungsstil
entwickeln, der nicht ausschließlich auf die Bilanz fokussiert. Dr. Martin
Hodler, Präsident der Swiss University Sports Foundation, wies daher
auf die Bedeutung der Wertschätzung hin: „Wir sind daran gewöhnt, die
Ernte zu loben. Der gute Bauer lobt auch für das, was wir säen, nicht nur
für die Ernte. Zahlen sind nicht das Wichtigste.“

Fazit des informationsreichen Abends: Die Unternehmensressource
Gesundheit ist ein „soft issue“ mit „hard benefit“. Oder anders gewendet:
Wertschätzung führt zu Wertschöpfung.

Markus Klietmann, Symposion Publishing
Mehr Informationen zu diesem Buch: http://www.symposion.de/...

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