Startseite Themen Brennpunkt INNOVATIONSPREIS-IT IT-Bestenliste INDUSTRIEPREIS INDUSTRIE-Bestenliste TrafficGenerator
INNOVATIONSPREIS-IT 2017

Drucken
Mittelstandspresse

12.06.2019

Bonusobergrenze für Banker aufheben: Ist das der richtige Zeitpunkt?

Expertenmeinung von Hervé de Riberolles, Leiter der Abteilung Internationales Business-Development Primeum

Paris, 12.06.2019 (PresseBox) - Die europäischen Banken stellen die Sinnhaftigkeit der von Brüssel festgelegten Bonusobergrenze für EU-Banken in Frage und fordern deren Aufhebung. Eingeführt wurde diese Verordnung zur Begrenzung der variablen Vergütung von Bankern nach der Finanzkrise 2008. Sie besagt, dass Extravergütungen nicht doppelt so hoch ausfallen dürfen als das eigentliche Gehalt der Banker. Beispiellos auf den internationalen Finanzmärkten fordern nun die europäischen Banken eine Lockerung vom Rat für Finanzstabilität und verdeutlichen einen Verlust an Wettbewerbsfähigkeit gegenüber ihren internationalen Konkurrenten, insbesondere den amerikanischen und asiatischen Finanzinstituten.

Der Bonus im Bankensektor ist eine einmalige Zahlung. Er ist nicht von einer festgelegten Zielerreichung abhängig. Seine Höhe ist variabel und wird ausschließlich vom Arbeitgeber festgelegt.

Im Jahr 2017 erhielten 4.859 Banker Bonuszahlungen in Millionenhöhe. das sind 262 mehr als im Vorjahr. Dennoch fragt sich, ob die Beschwerden der Finanzinstitute in Bezug auf die Bonusobergrenze berechtigt sind.

Warum die Europäische Union die Boni der Banker begrenzen will

Brüssel wollte mit der Maßnahme die Interessen seiner Kunden schützen. Einzelne Banker und Trader gehen, um mehr zu verdienen, oftmals hohe Risiken ein, auch wenn es gegen die Interessen ihrer Arbeitgeber verstößt. Die Europäische Kommission hat eine Maßnahme eingeführt, mit der ein Teil der Bonuszahlung verzögert ausgezahlt werden muss. Diese so genannten rückforderbaren Boni, im Englischen „clawback“ genannt, sind Boni, deren Auszahlung an Leistungskriterien gebunden ist, die über einen längeren Zeitraum erbracht werden. Banken dürfen einen Teil der Boni - mindestens 40 Prozent - nicht sofort auszahlen, sondern müssen sie mindestens drei oder fünf Jahre zurückhalten, um die damit belohnten Leistungen auf ihre Nachhaltigkeit überprüfen zu können. Die Aufsichtsbehörden wollen mit dieser Regelung verhindern, dass Banker auf der Jagd nach Boni zu hohe Risiken eingehen, die sich langfristig als schädlich für ihre Bank herausstellen.

Andererseits, kann eine Rückforderungsklausel (clawback) geltend gemacht werden und der Bonus vom Arbeitgeber gekürzt oder ganz eingezogen werden, wenn das langfristig angelegte Ziel nicht erreicht wird.

Trader: Keine ergebnisorientierte Vergütung

Ziel dieses Ansatzes ist es, mutwillige Handlungen zu begrenzen, die Trader bewusst begehen, nur um einen höheren Bonus zu erhalten. In diesem Modell würde ein Banker oder Trader direkt nach seinen Praktiken und der Einhaltung genau festgelegter Regeln beurteilt werden. Da er nicht mehr auf Basis seiner erbrachten Endleistung beurteilt würde, hätte er somit weniger Anreiz, die Verordnung zu umgehen, und mehr Anreiz, einen bestimmten Verhaltenskodex zu befolgen.

Mit der Limitierung der Bankenboni bestrebt Brüssel, die oftmals exzessive Risikobereitschaft der Banker zu regulieren. Mit der Begrenzung des Bonus auf das Doppelte des Festgehalts traf die Europäische Union eine politische Entscheidung, die nach Ansicht einiger Experten das Gegenteil von dem bewirken könnte, was erwartet wird.

Denn nach Angaben der Europäischen Bankaufsichtsbehörde sind die europäischen Banken, die die Bonusobergrenze bei doppeltem Fixgehalt ablehnen, selbst weit davon entfernt, diese Obergrenze zu erreichen. Im Jahr 2017 erreichte keine europäische Bank die von Brüssel vorgegebene maximale Bonusgrenze. Im Durchschnitt beträgt der von den Banken angewandte Bonussatz das 1,4-fache des Festgehalts, in Frankreich und Großbritannien etwa das 1,6-fache, was immer noch relativ weit von der Obergrenze eines doppelten Festgehalts entfernt ist. Darüber hinaus hat in Deutschland, wie in den meisten anderen europäischen Ländern, der Bonus für Banker nicht einmal die Summe des Festgehalts erreicht.

Diese Obergrenze wirft zudem moralische Fragen auf. Bis zu einem gewissen Grad könnte sie die gegenteiligen Folgen des von der Regulierungsbehörde angestrebten Effektes haben. Sie könnte die Banker sogar dazu bringen, höhere Risiken einzugehen. Bankmanager lehnen dieses System in der Regel grundsätzlich ab - der symbolische Charakter einer solchen Maßnahme wird dabei nicht berücksichtigt.

Angesichts ihrer durch diese neue Verordnung eingeschränkten Handlungsfreiheiten gingen viele Banker von Investmentbanken massiv zu „Hedgefonds“ oder Pensionsfonds über, die meist weniger Regulierungen unterliegen. Dieses moralisch fragwürdige Verhalten wirft die Frage nach den persönlichen Werten bestimmter Banker oder Broker auf, für die immer noch höherer Gewinn die einzige Triebkraft ist.

In Frankreich beschuldigt die Bewegung der Gelbwesten das Bankensystem, das für sie von den französischen Banken verkörpert wird, aber auch die Finanzmärkte, die nach ihren Angaben für die wirtschaftliche Situation des Landes verantwortlich sind. Darüber hinaus kritisiert die Bewegung, deren Teilnehmer sich größtenteils in einer schwierigen finanziellen Lage befinden, die Verbindung zwischen politischer Macht und Finanzinstituten scharf.

In diesem Zusammenhang erscheint die Aufhebung der Obergrenze von Bonuszahlungen für Banker, von denen die meisten bereits relativ gut verdienen und von der Öffentlichkeit für die Wirtschaftskrise 2008 verantwortlich gemacht werden, in den Augen der Franzosen unangemessen oder sogar „inakzeptabel“.   

Ansprechpartner

Judith Duschl
+33 (1) 550214-72

Über Primeum:

Das 1994 gegründete Unternehmen ist ein führender Anbieter von Anreiz- und Vergütungslösungen für Groß-und Mittelstandsunternehmen. Primeum bietet seinen Kunden einen Komplettservice und kundenspezifische Ansätze zur variablen Vergütung, von der Analyse bis zur Umsetzung von Bonusplänen. Das Unternehmen besitzt einzigartige Expertise in allen Bereichen, darunter: Beratung (Diagnose des vorhandenen Plans, Entwurf neuer Pläne mithilfe der proprietären Berechnungs-Engine, Ranking und Inbetriebnahme); Zielzuordnungsmethodik mithilfe eines innovativen mathematischen Ansatzes; Management- und Kommunikations-Tools, die auf der Incentive Manager Suite basieren sowie Datenvalidierung und Berechnungsüberprüfung.

Zu den Kunden des Unternehmens gehören heute u.a. Sanofi, Allianz, SNCF, MSD, Swisslife. Primeum ist vor allem in Europa, aber auch in Ländern wie China und Mexiko präsent und beschäftigt mittlerweile 40 Mitarbeiter. Weitere Informationen erhalten Sie unter: www.primeum.com.